Zu Hause – Mariazell 136km, 4790hm
1.6. – 5.6.2023
1.Tag: 21km, 481hm, 4:45h
Endlich kann es losgehen. Ich habe keine Lust mehr weiter zu warten, dass der Schnee schmilzt, ich möchte mich auf den Weg machen. Um meinen Körper an die neue Belastung zu gewöhnen, möchte ich die ersten Tage nicht zu viele km machen. Heute stehen ca 20-25 km an. Das ist soviel, um den Aspahlt hinter sich zu lassen und bei Perchtoldsdorf ins Grüne zu kommen. Also, los geht’s.

Es ist kurz nach Mittag, als ich die Türe hinter mir zusperre und den Schüssel in den Postkasten werfe. Die ersten Meter auf der Praterstraße komme ich mir ganz schön komisch vor: Zustiegschuhe, großer Rucksack, Stöcke hinten drauf …Aber mir egal. Ich schlängel mich von Schatten zu Schatten, passiere größtenteils mir bekannte Gebiete und freue mich als ich ca 3 1/2 Stunden später in Pertchtoldsdorf bin. Die Stöcke dürfen nun endlich runter und ich hinauf. Fast ein beflügelndes Gefühl, auch wenn ich ordentlich schnaufe. Aber das bin ich von mir gewöhnt.

Oben angekommen stehe ich direkt bei einer Warte. Was für ein genialer Rundumblick.

Wahnsinn! Warum kenn ich den Platz hier nicht? Ich genieße, bin glücklich und nehme leise Abschied von Wien…

„wir sehen uns im Herbst wieder“, sag ich mir selbst im Gedanken bestärkend. Ein paar Sonnenuntergangsschauer kommen noch, ich koch mir dazwischen heimlich mein Essen

und als ich mir sicher bin, dass niemand mehr kommt biwakiere ich unter der Warte.

Ich möchte mir den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen. Bis es soweit ist, hält mich jedoch mehrere Stunden der helle Mond wach.
2.Tag: 31km, 1182hm, 7:55h
Um 4 Uhr ist es bereits hell, offiziell beginnt die Dämmerung später. Ich packe mein Zeug um 4:30 zusammen, genau rechtzeitig, denn um 4:40 kommen die ersten 2 Sonnenaufgangschauer. Damit hab ich unter der Woche nicht gerechnet.

Schöner Anblick, Wien erwachen zu sehen.

Ich selbst versuche mehrmals noch Schlaf zu finden, aber es ist kalt und windig und ich finde einfach keinen Platz an dem ich nocheinmal einschlafen kann. Um 7 geb ich auf, mir ist so kalt ich muss mich schleunigst bewegen. Bald säumen wunderschöne Blumenwiesen meinen Weg und ich erkore eine davon aus um mir mein Frühstück zu machen. Kaffee und Müsli.

Schotter/Forststraßen, Asphalt, kurz mal nette Wege,

viele Blumenwiesen


…so geht es über Heiligenkreuz immer weiter. Ab besagtem Ort kenne ich die Strecke für die nächsten 7km und ich weiß was mir blüht. Ja noch mehr Blumen,

aber noch mehr Aspahlt und noch mehr Hitze. Ein Friedhof spendet mir kaltes Wasser für Arme und Kopf. Nach dem Peilstein betrete ich neue Wege. In Altenmarkt an der Triesting kaufe ich beim Billa ein, ich hab doch tatsächlich vergessen mir was für zu Mittag mitzunehmen. So sitze ich am späten Nachmittag nach 25 km eigentlich schon ziemlich ko zu Fuße des Hocheck und trinke Zuckergetränke und esse eine Kleinigkeit. Ich möchte zelten, also muss ich weiter. Da ich im Tal bin und keine Lust auf weitere (Schotter)straßen habe, habe ich mich im Vorfeld schon entschieden übers Hocheck aufs Kieneck zu gehen. Voll bepackt mit Wasser (da ich heute schon eine ausgetrocknete Quelle gesehen habe) geht es nun hinauf. Hinauf, hinauf, hinauf. Es kreuzen doch noch 2 Quellen meinen Weg, an ersterer gönn ich meinem Oberkörper und Gesicht eine Schwammwäsche.

Was für ein Gefühl. Fast ganz oben nehme ich die erstbeste, nicht mehr in Benutzung zu scheinenden Forststraße und gehe soweit, bis ich ein schönes und ebenes Plätzchen finde. Probeliegen,

nochmal Katzenwäsche, Kochen und zufrieden sein über 31 km. Wie war das nochmal mit ruhig angehen?
Ich schreibe gerade Tagebuch als ich die Nachricht bekomme, dass eine verrückte Nudl (anders kann man sie nicht bezeichnen) aus Spaßgeschreibe vor paar Stunden ernst macht und auf dem Weg zum Hocheck ist. Hoffend, dass ich Empfang habe, schaut sie auf ein Mikroabenteuer, alias Wildzelten, vorbei. Mich freuts, ich hätte nie so schnell mit Besuch gerechnet und ich liebe spontane, verrückte Einfälle.
3.Tag: 27km, 1741hm, 8:25h Blöd, dass ich beim Zeltaufbau für eine Person probegelegen bin, so war doch ein Teil des Zeltes schief und obwohl das 1 Personenzelt luxuriös groß ist (zwei Mumienmatratzen verkehrt zueinander und 2 Seitenschläferinnen haben Platz), wurde es durch ständiges rutschen eng.
In der Nacht hat es geregnet, kein Wind und die hohe Wiese macht ihr übriges…die Zeltwände sind feucht.

Verrückte Nudel startet sehr früh wieder mit dem Abstieg, sie muss arbeiten. Nicht ohne Kaffe. Ich verzichte, habe ich doch eine Hütte in Aussicht. Ich muss weiter nach oben und pack erstmal zusammen. Das dauert. Mein nicht vorhandenes System ist noch nicht routiniert und wird wahrscheinlich noch mehrmals geänder werden.
Um 7:30 bin ich fertig und stelle mir vor wie ich „gleich“ drüben am Kieneck auf einen Kaffee vorbeischaue. Rasch bin ich oben am Hocheck und dann folgt ein wunderschöner Weg.

Alles richtig gemacht nicht unten im Tal zu gehen.

Endlich richtiges Wandern. Es macht Spaß, die Landschaft ist schön, es geht zuerst steil bergab und dann ewig rauf, runter, rauf, runter

….allmählich beginnt es sich zu ziehen. Ich überprüfe meine Position am Handy weil ich sorge habe eine Abzweigung übersehen zu haben. Es wird nicht das letzte Mal sein bis zum Kieneck, dass ich, nicht wahrhaben wollend auf die Karte blicke um zu merken, wie gering mein Fortschritt ist. Ich einige mich darauf, dass es wohl ein Rechenfehler war und nicht 8 sondern 18 km am Programm stehen. Zum Glück ist’s frisch, viel Wasser habe ich nicht mit. Jedes Mal wenn ich glaube es ist der letzte Aufschwung,

seh ich einen Abstieg und einen erneuten Aufschwung. 4 1/2 Stunden und überraschenden 1175hm nach Abmarsch bin ich dann endlich da.

Kaffee und Saft müssen schnell her, Zelt in die Sonne legen, Käse und Toast abseits essen (ich dachte ja, ich käme am frühen vm an, daher das eigene Mittagessen). Ich trödel herum, wechsel von der nun heißen Sonne in den Schatten, entferne den x-ten Zeck und mach mich nach 1 1/2 Stunden wieder auf den Weg. Der wird nun deutlich leichter, ist aber ebenso schön.

Mir gefällt diese ruhigere Seite beider Berge.
Weiter geht es am Unterberger Skigebiet und an gleichnamiger Hütte vorbei. Beim Abstieg plätschert ein Bächlein neben mir, wie genial. Ich filtere mir Wasser,

denn so kann ich versuchen einen Platz fürs Zelt zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Ich seh mich schon doch in Rohr im Gebrige einquartieren. Gut 6 Anläufe braucht es, bis ich etwas passendes finde. Der Tag war wieder lange. Ich schreibe Tagebuch, koche, esse, tippe den Blog, lese, habe keinen Empfang wie so oft, …und bin beim Zeltaufbau froh, dass es eine Option zum Freistehen hat. In den harten Boden bekomm ich keinen Hering tiefer als 2 cm rein
4.Tag: 37km, 990hm, 7:55h Meine 1. Wildcampingnacht alleine im Zelt verlief erstaunlich gut, ich konnte sehr schnell einschlafen. Da es regnen soll, bin ich um 7 Uhr bereits startklar. Dieses Mal ohne Frühstück, denn ich möchte im ca 1 Stunde entfernten Rohr im Gebirge einen Kaffee trinken um danach mein Müsli zu essen. Aber ich mache meine Rechnung ohne den Wirten (Gasthaus mit Zimmern), dieser öffnet für externe Gäste erst um 9 seine Türen.

Es geht weiter, wegetechnisch unspektakulär über die Kalte Kuchl. Da gibt’s dann endlich den ersehnten Kaffee. Über schöne Landschaften




bahne ich mir zügig meinen Weg nach St.Aegyd und checke beim süßen Mittagessen das Wetter.

Es hält doch noch bisschen durch, bevor aus dem Niesel, Regen werden soll, daher mach ich nicht wie gedacht hier nach 25km Schluss, sondern hänge nochmal 11 km dran.
Auf den ersten KM nach Aegyd geht es eine Sackgassenforststraße entlang. Ich pack mir Musik auf die Ohren und fliege mit bester Laune förmlich weiter. Ich liebe die Lieder der offiziellen Sammlung vom Mammutmarsch auf Spotify, die haben mich schon beim 100km Marsch beschwingt und zügig gleiten lassen.

Sobald ich aber wieder mehr Natur um mich habe, kommen die Stöpsel raus. Die letzten Hm über einen kleinen Pass ziehen sich, ganz oben beginnt es zu regnen und ich sehe meine Unterkunft für heute: Gschaidwirt, mit sehr günstigen Pilgerzimmern und tollem Essen. Herz was willst du mehr.
5.Tag: 19km, 500hm, 4:40h
Heute geht’s nach Mariazell. Wie gestern auch schon: Wegetechnisch unspektakulär, landschafltich jedoch schön,

lieblich,

toll,

und wieder blumig.




Ich hatte mich bewusst für den Wiener Wallfahrerweg und gegen den Via Sacria entschieden, weil dieser angeblich weniger Straßenanteil hat. Ja, vielleicht weniger Hauptstraße, aber auch Forst- und Schotterstraßen sind Straßen in meinen Augen. Selbst Schuld sag ich mir, hätte ich mich davor genauer mit der Route beschäftigt, hätte ich es ändern können. So nehme ich mit ein wenig Trotz bereits im Niesel einfach noch die Bürgeralpe mit und gehe nicht direkt hinunter nach Mariazell. Hat sich gelohnt. Auch wenn mich oben dann der angekündigte Regen ereilt. Absteigen, Basilika besuchen,



Zimmer beziehen


und entspannen. Wenn da nicht der Blick auf die Wettervorhersage wäre….