6. Etappe Karnische Alpen und Lesach/Oberpustertal

Neuhaus – Innichen 188,8 km 8.621hm
25.6.- 1.7.2023

Gesamt bis Innichen 720,3km 31.925hm
28 Wandertage
3 Pausentage

(Viele Fotos dieses Mal. War wohl besonders schön 😉 . Wie bisher immer: kein einziges ist bearbeitet)

25. Tag 31.6km, 2012hm, 8:40h
Gut geschlafen, gut gefrühstückt, so können die letzten Km bis Thörl-Maglern flott zurück gelegt werden. Vor dem „Pöckauer Moos“ hängt ein Infozettel: Durchfahrt gesperrt.
Mh, durchFahrt, aber wie siehts mit durchgehen aus? Ich überzeuge mich lieber selbst und stehe kurz darauf vor einer beeindruckenden Wasserlandschaft.

Okay, gut, dieses mal ist die Sperre berechtigt. Also durchs Feld Richtung Straße/Radweg. In Arnoldstein haben sonntags sämtliche Supermärkte offen, ziemlich viel los hier. Hier endet der Salzsteigweg, ich denke aber irgendwie nicht dran und vergesse somit den vorgeschlagenen Verbindungsweg Richtung Thörl-Maglern zu suchen. Als ich es merke ist es zu spät, ich suche mir einen eigenen Weg durch den Wald und stehe kurz darauf wieder vor einer Forstsperre. Ich hab absolut keine Lust auf Umwege heute, ich möchte einfach so schnell wie möglich zum Einstieg des karnischen Höhenweges. Also retour zum Radweg und letzten Kilometer abspulen. Nochmal einen Wasserbauch fabrizieren und Flaschen auffüllen und rauf gehts.
Und wie es rauf geht. Schnell steh ich in einem sehr steilen Wald und seh vor lauter Bäume, abgebrochenen Ästen, und eintöniger Farbe keine Markierung mehr. Es ist sausteil, an einer Stelle komm ich gefühlt weder vor noch zurück.

Wo ist diese blöde Markierung! Der Wanderführer hat davor gewarnt und dass das erst der Anfang von Suchspielen ist, ahne ich zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht. Am Hintern hockerlnd steige ich wieder rund 20hm ab, bitte wie bin ich hier hochgekommen?
In der Ferne eine Markierung am Baum, immerhin weiß ich jetzt in welche Richtung. Die Spuren am Hang zeigen aber deutlich, dass ich nicht die einzige bin die sich hier vergangen hat. Also noch mehr Konzentration. Es geht zügig und direkt nach oben, bald wird der Wald wieder grüner und die Markierungen wieder besser. An einer Quelle bediene ich mich großzügig, mir tropft der Schweiß vom Kinn.
Auf der einsamen Göriach Alm lege ich eine Pause ein und erleichtere meinen Rucksack um ein paar Gramm. Mit einen Traumpanorma auf die Julischen Alpen. Irre.

Den Triglav und seinen Nationalpark möchte ich mir definitiv mal aus der Nähe anschauen.
Der weitere Weg ist eine Mischung aus Forststraße, kleinen Waldwegen in diversen Arten von Wäldern, mit italienisch-österreichischen Grenzsteinen, mit guter und fehlender Markierung (vor allem an Kreuzungen), rauf, runter rauf, runter und mit eingezeichnet Quellen wo es keine gibt.

Im Nirgendwo wieder eine Forstsperre.

Hat’s die Schilder im Abverkauf gegeben, oder was ist hier los? Die Maschinen stehen still, kein Mensch da, ihr könnt mich doch gern‘ haben, ich krieche unter der Absperrung hindurch. Am späten Nachmittag erreiche ich die Dolinza Alm und bediene mich an der Kuhtränke. Keine Menschenseele da. Kühe jedoch schon

und dadurch alle Häuschen eingezäunt. Soll ich? Hier mein Zelt aufstellen? Ich beschließe noch weiter zu gehen. Im Notfall gibt es in 30 Minuten eine Hütte.


An Kühen vorbei (die sind soooowas von relaxed hier, herrlich und was für ein Unterschied) erreiche ich eine Kapelle, sie ist offen. Locker würde ich drinnen Platz haben. Auf der Reise in Südamerika war schlafen in Kirchen nichts besonderes, aber in so einer kleinen Andachtskapelle mit all den Fotos von Verstorbenen… Ich bin weder gläubig noch groß abergläubisch, aber dabei hab ich kein gutes Gefühl.
Ich genieße erstmal die Aussicht, schreibe Tagebuch und mache es mir in der Sonne gemütlich.

Ich komme mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch die hier eine Hütte haben.

Er benennt mir auf Anhieb fast alle Gipfeln der julischen Alpen, auf jedem war er oben. Meine Augen glänzen gerade mit Sicherheit. Ihre auch, als sie von meinem Vorhaben hören. Sie verschwinden in der Kapelle und ich denke mir als sie wieder rauskommen. ..Fragen kostet nichts:“ sie hätten nicht zufällig einen Platz bei ihrem Häuschen für mein Zelt, ich verstehe aber auch wenn sie nein sagen?“ „Ja klar, sicher, kein Problem“.


Es wird ein netter und unterhaltsamer Abend. 87 Jahre sind sie schon und immer noch auf kleinen Wanderspaziergängen unterwegs. Sie erzählen mir gefühlt ihren ganzen Lebenslauf, ich erfahre über Bräuche aus der Region, über familiäre Schicksalsschläge,…der Abend ist kurzweilig und am Ende lerne ich die Spielregeln von Domino kennen und Gewinne nach 11 Runden haushoch.

In der kleinen urigen Hütte wird mir ein Kämmerlein angeboten, ja warum nicht. Ich wollte zwar unbedingt zelten, aber eingebettet zwischen den Almhäuschen wäre eh kein Zeltfeeling aufgekommen.

26.Tag 31km, 1370hm, 7:31h


Wie angekündigt schleiche ich mich kurz vor 8 aus dem Haus. Alles schläft noch, nur die Ziegen bekämpfen sich schon, die Kühe grasen und die Pferde wollen schmusen kommen. Ein kleiner Zoo hier heroben auf der Alm.
Ich passiere mehrere Almen. Manche wie ausgestorben, andere gut besucht. Die Wege dazwischen unspektakulär und nur 1, oder 2 mal mit Aussicht. Sattel, Abstieg, Fluss, Anstieg, Sattel, Abstieg, Fluss,…. .Ansonsten alte Bekannte: zugewachsen Wege, matschig Stellen, fehlende Markierung, schöner Waldboden und neu im Programm: Hänge mit Almrausch .
Wie unspektakulär der Weg ist zeigt sich in meinem FotoArchiv…kaum Fotos gemacht.


Auf der EggerAlm esse ich bei „der alten Käserei“ die beste Kaspressknödelsuppe aller Zeiten. 2 andere Weitwanderer sprechen mich an wie ich die Wegmarkierung hier finde. „Ausbaufähig“, ist die postive Bezeichnung. Gut zu wissen, dass es anderen ähnlich geht.
Gestärkt gehe ich weiter. Auf italienischer Seite wird es landschaftlich plötzlich ganz anders und der Weg reizvoll.

Dann noch kurz über den letzten Sattel und dem Nassfelder Skigebiet

und das Internt verrät mir, was schon angekündigt wurde: morgen Gewitter ohne Ende.
Beim Plattner mache ich Halt und recherchiere weiter. Wetter, Möglichkeiten, Zeit, Etappen, Abstiege, … ich bin hin und hergerissen. 10 Minuten denke ich geht sich aus, dann wieder nein lieber nicht (auch weil ein Wanderer am Nebentisch heute auf der Strecke oben war und meinte „ne, da oben im Gewitter. Gott da hätte ich schiss“).
Das Thema ist, dass morgen eine 3 stündige exponierte Strecke oberhalb der Baumgrenze kommen würde. Und das bei bereits Gewitterchancen ab in der Früh.

Ich wollte eigentlich noch hoch zu einer Biwakschachtel und dort schlafen. Aber selbst die 3 1/2 stündige Wanderung von dort bis zur nächsten Hütte/Alm könnte morgen ins Gewitter fallen, selbst wenn ich vor Sonnenaufgang losgehe. Ich fühle mich bereits jetzt gehetzt und dennoch möchte ich es versuchen.
Ich fülle meine Wasserflaschen auf und bin fest überzeugt zum Biwak zu gehen. Keine 15 Minuten später schwanke ich wieder. Würde ich bei so einer Vorhersage zu Hause in die Berge fahren? Würde ich eine ausgesetzte Wanderung machen? Nein, also warum jetzt das Risiko eingehen? Weil ich UNBEDINGT in dieser Biwakschachtel schlafen möchte. Ich hocke in Nassfeld am Straßenrand und fühle mich zum 1.Mal alleine. Wie gerne würde ich jetzt die Möglichkeiten mit jemand anderes besprechen können. Einen anderen Kopf mit einer anderen Sichtweise dabei haben. Ich überlege wer gerade mit Sicherheit sofort abhebt und sich meine Zerrissenheit anhören kann. Kurz darauf habe ich meine Mama am Hörer. Dann bricht es aus mir heraus. Ich heule wie ein Schlosshund. All die Enttäuschungen über das nicht zelten/biwakieren können, müssen offenbar mal raus. Ich bemittleide mich selbst und finde es gleichzeitig okay, dass ich enttäuscht und deshalb traurig bin. Ich steh da offenbar noch ordentlich im Clinch mit meinen Vorstellungen/Erwartungen/Wünschen und meiner Realität. Nach einer (trotz der sicher vorhandenen Sorge meiner Mutter) neutralen Analyse und lieben, aufbauenden Worten lege ich auf und versuche das ganze ein wenig objektiv zu betrachten: Gewitter seit Tagen für morgen vorhergesagt, mittlerweile sogar mit Chancen in der Früh, exponierte Lage, nur 2 Abstiegmöglichkeiten, … .
Also wieder retour rauf zum Plattner, (der einen Vertrag mit dem Alpenverein hat) und kurz darauf wuchte ich meinen Körper auf eines der Mehrbettzimmerbetten. Morgen ist Pausentag angesagt. Es wird meiner schmerzenden Stelle am Fuß gut tun, meinen müden Oberschenkeln ebenso und den Geist besänftige ich einfach mit viel Süßem, das schadet meinem schwindenden Bauch auch nicht.

27.Tag 0Km
Ich habe mir extra ein Bett ohne Sicht zum Fenster genommen. Dunkler zum länger schlafen und zum nicht sehen müssen, falls es in der Früh schön ist.
Es entgeht mir dennoch nicht, dass es noch nicht gewittert. Die Vorhersage ist aber noch die selbe. Ich hadere nicht mit meiner Entscheidung. Immerhin ein Lernerfolg. Beim Frühstücksbuffet lange ich ordentlich zu, geh schnell zum Adeg runter für Mittag- und Abendessen, finde eine Mitfahrgelegenheit wieder hinauf und ignoriere, dass ich es locker vom Biwak zur Hütte geschafft hätte. Ja hätte….hätte aber auch anders kommen können. Immerhin habe ich mal ausgiebig Zeit zum telefonieren, Fotos aussortieren und ordnen,…und vergesse glatt aufs Wäsche waschen.

28.Tag 26.5km, 1370hm, 7:35h
Um 6 Uhr aufzustehen hätte ich mir sparen können – dichtester Nebel steht direkt vor der Türe, der ein oder andere Regenschauer zieht auch vorüber. Ich lasse mir also Zeit bis kurz nach halb 9.
Die restlichen Wolken können sich verziehen, während es im unattraktivem Skigebiet nach oben geht. Aber dank einiger Felsformationen und Almrausch ist es widererwartend ganz okay.

Das rote Biwak nehme ich zur Kenntnis, ja wäre wohl wirklich fein hier heroben gewesen.

Es ist ziemlich kalt, der Wind weht immer wieder Wolkenfetzen über die Berkämme. Bergspitzen kommen und gehen. Berghänge werden spotlightmäßig beleuchtet um kurz darauf wieder dunkel zu sein. Was für ein Schauspiel.

Der Weg ist genau nach meinem Geschmack. Ich bin im 7.Himmel und total happy es ohne Zeitdruck und bei gutem Wetter genießen zu können. Vergessen ist das Biwak. Lächerlich eigentlich wegen einem Ort so eine Fixation entwickelt zu haben. Naja. Über Schuttfelder, kleine Blockwerke und nette Wege zieht sich der Weg am Hang des Trogkofels und der Ringmauer entlang. Die Fernblicke sind grandios. Ich könnte ewig so weiter gehen.


Nach mehreren Stunden ändert sich die Landschaft. Liebliche kleine Hügeln mit unmengen an Almrausch. Was für ein Kontrast zu der Landschaft und dem Himmel.

Ich bleibe mehrmals stehen, schon den ganzen Tag, drehe mich im Kreis, mache 1000ende Fotos weil es gefühlt immer noch schöner wird….und genieße einfach. Am späten Nachmittag komme ich an der Straninger Alm und kann nicht nein sagen zu einer hauseigene Buttermilch und Topfenkuchen.

So gestärkt geht’s in den Endspirt, bisschen müde sind die Beine heute schon. Weiter über sanfte Hügeln

geht’s nach oben auf eine Scharte. Dort entkommt mir ein so lautes “ waaaaaauuuu“ dass man es wahrscheinlich retour bis zur Alm hört.

Ich bin sowas von nur am begeistert sein heute, es ist ein Traum. Kaum ein Foto wird der Realität gerecht. Am Hang traversierend geht’s nochmal schön dahin bis bald der Zollnersee in Sichtweite kommt. 100erste Postkarten Idylle heute.

Ich halte ausschau nach Zeltplätzen, am See wird es zu feucht, die Wiesen sind es aber auch alle.

Unmittelbar danach kommt die Zollnerseehütte zum Vorschein, ich kehre für ein Cola ein (Tiroler Cola), fülle meine Flaschen auf und ziehe um 18 Uhr wieder von dannen. Retour Richtung See. Ich koche im Traumpanorma,

zieh an einem Fluss blank um mir eine Schwammkatzenwäsche zu gönnen

und baue dann zwischen See und Hütte mein Zelt auf. 360Grad Traumlandschaft. Ich bin einfach nur zufrieden, glücklich, ruhig, dankbar.

Es bleibt lange „warm“ so dass ich der Sonne beim Untergehen zusehen kann, beobachte wie der Mond immer kräftiger zum Vorschein kommt und wie die Berge um mich herum in unterscheidlichstes Licht getaucht werden. Was für ein schönes Fleckchen Erde.

29. Tag 27.7km, 2020hm, 8:55h
Obwohl ich mich total wohl gefühlt habe, einigermaßen eben lag, die Pferde widererwartend nicht auf Besuch kamen und die Kuhglocken um 1 Uhr in der Früh in der Ferne blieben, hab ich kaum geschlafen bzw wenn nur oberflächlich. Die Sonne weckt mich vor dem Wecker, ich liege nur 3 Meter neben dem Wanderweg, ausschlafen gibt es also nicht. Der Schlafsack ist an manchen Stellen feucht, das Zelt trieft aussen und innen…ich koche mir also erstmal einen Kaffee.

Geht doch glatt ein Gast von der Hütte an mir vorbei um den Sonnenaufgang am See zu fotografieren. Guten Morgen! Der Schlafsack trocknet dank Beschichtung schnell, das Zelt wird noch feucht eingepackt. Startklar. Tschüss schöner Platz.
Es dauert aber nicht lange bis andere schöne Plätze kommen. Ich kann sie gar nicht beschreiben. Die steilen, spitzen, hohen Berge die bis oben hin in einem Grün leuchten, dazu Wolkenfetzen.

Der Weg ist passend dazu: grün. Und somit feucht. Steil am Hang traversiere ich endlos zum Talschluss um widererwartend nicht über die Scharte zu müssen, sondern auf der anderen Bergseite weiter.

Der Weg ist so schmal, einmal nicht aufgepasst und ich steige daneben und somit ins Gestrüpp und somit in den Abgrund. Mein anderes Bein geht zu Boden, nochmal Glück gehabt.
Die Schuhe gleichen mittlerweile einem Swimmingpool, das würden auch kein Goretex hier schaffen.

Zu der Scharte über die ich muss führt dann ein sehr steiler Weg. Einmal gerade direkt hinauf, maximal fünf Kehren machen es ein wenig leichter. Ich schnaufe ohne Ende. Aber es bleibt noch genug Luft um die Umgebung einzusaugen. Ich komme mir teilweise nach Peru versetzt vor von dem Panorama. Gefühlt bin ich hier jeder Zivilisation Ewigkeiten entfernt. Einfach nur imponierend  diese Landschaft.

Endlich auf dem Sattel, lasse ich die Wolken hinter mir

und hab sofort Gänsehaut. Vor Begeisterung. Es ist so ein geniales Gefühl wenn man sich gefühlt eine Wand rauf arbeitet und dann über die Schwelle tritt und einem eine komplett neue Aussicht erschließt. Ich muss meistens lachen vor Glück, aber auch weil mein Unterbewusstsein ein „wow, wahnsinn, irre, whoooo, genial, ….: ausstöst, bevor ich überhaupt alles wahrgenommen habe.

Großglockner? Kannst du es sein? Jetzt schon? Ich zücke mein Handy und….tatsächlich. In voller Pracht steht er da, ebenso die Hochalmspitze, die ich erstmals in den Nockbergen entdeckt habe.

Gleich nebenan die nächste Scharte (ich finde sas Wort Scharte schöner, auch wenn meist Sattel die richtige Bezeichnung wäre) und somit wieder ein neues Panorama.

Es geht mindestens genauso steil nach unten wie es vorhin nach oben ging. Anfangs noch einfach, weil sichtbar, kommt bald eine Stelle an der es absolut nicht ersichtlich ist wohin man steigt, weil das Gras darüberhängt über die direkt, steil nach unten führenden, in den Boden getretenen Stufen. Eine lange Traverse folgt erneut, die sich aber auszahlt wenn man zurück schaut.

In der Ferne die Scharte über die ich runter bin. Wie weit weg sie wirkt obwohl ich doch erst dort war. Aber noch viel beeindruckender die Formation der Berge und dieses schier unglaublich saftige Grün ( irgendeinen Sinn muss das viele Nass ja haben). Ich glaube ich brauche mehr Vokabular um den heutigen Tag zu beschreiben.
Der letzte Abstieg zum Plöckenpass geht dann sich etwas ziehend durch den Wald. Der Grünsee ist für die Allgemeinheit nicht zugänglich, dann nehm ich halt den zufließenden Fluss um auf der Schotterbank mein Zelt zu trocknen. Ich selbst zieh komplett blank und gönn mir ein erfrischendes Bad im Bach. Herrlich.

Auf geht’s zum finalen Anstieg. Ab sofort auf mir bekanntem Terrain. Auf der Valentinalm hören die klassischen Karnische Höhenweg Wanderer auf, ich finde weder die Umgebung noch die „Alm“ selbst einladend und hänge somit noch was dran. 900Höhenmeter stehen an, es ist 15:15 als ich die Valentinalm passiere. Vorher aber nochmal kurz stärken: verspätetes Mittagessen. Die Daunenjacke fungiert nach wie vor bestens als Käsekühlschrank beim Transport.

Augen auf heißt es um anfangs die Shortcuts im Wald nicht zu versäumen. Ab der oberen Valentinalm ist die Landschaft wieder beeindruckend. Obwohl ich sie schon kenne, fasziniert sie mich aufs neue. Eine Seite rot, andere grau, dazwischen schwarze Gesteinszüge. Die Wolken brechen über die Spitzen, die Murmeltiere sind auch wieder zu Hauf da, der Weg wird immer großsteiniger, … . Kurzum: kurzweilig.

Meine Beine fühlen sich fitter an als in der Früh, ich dachte es wird ein Kampf hinauf nach so einem langen Tag. Dis Schuhe sind mittlerweile wieder trocken, Goretex wäre sicher immer noch nass.
Oben am Törl pfeift der Wind und lässt bis zum See nicht mehr nach.

Campieren würde wenn wahrscheinlich hinter dem immer noch nicht in Betrieb sich befindenden italienischen Refugio gehen, aber ganz ehrlich: es stürmt quasi hier heroben und unromantisch mein Zelt hinter einem Gebäude zu verstecken und mich selbst auch, dazu bin ich nicht hier hergekommen. Also ab in die Wolayerseehütte, Lagerplatz für 15 Euro sichern, eigenes Abendessen, mit Müsliriegel, M&M und Gummizeug als Nachspeise essen, zur Feier der anstregenden Etappe ein alkoholfreies Bier trinken, Frühstück abstellen und um 21:30 im Bett liegen. Aso, da war ja noch die 100 Gramm Tafel Milka die so schön trapiert beim Tresen stand und nach mir rief und innerhalb von 2 Minuten plötzlich weg war. Gott kann ich Essen zur Zeit, wahnsinn.

30. Tag 40.5km, 1423hm, 9:35min
War es vielleicht doch zu viel Zucker gestern, oder Wasser aus einem Brunnen…so oder so, die Nacht war unruhig und mich hat die Toilette zweimal gesehen.
Um 6:40 bin ich trotzdem startklar. Ein Grund gestern noch auf die Hütte aufzusteigen, war der angekündigt Regen für heute ab 11 Uhr. Ich gehe mit Luposch zusammen los. Er ist auf der Via Alpina unterwegs, ein offizieller Weitwanderweg. Gestern Abend hat er mich verdutzt angesehen, als ich ihm sagte, dass er, je nachdem wie er sich die Etappen legt, in den nächsten ca 4 Tagen zu keinem Dorf kommt am Karnischen Höhenweg. Die letzte Möglichkeit war in Nassfeld vor 2-3 Tagen. Schnell verstumm sein Geschwärme darüber, dass er einfach nur den einzelnen Etappen nachgehen muss, dass alles auf der Via Alpina Homepage zu lesen ist, jede Info für jede Etappe inklusive Kommentare.Ich arbeite mit ihm noch Möglichkeiten aus wie er zu Essen kommen kann und wir verabreden uns zu einem gemeinsamen Frühstart.
Here we are….und die Wolken auch schon. Teilweise. Zwei saftige Anstiege sind es bis zum Hochweißsteinhaus. Dazwischen sanfte Hügel. Fernsicht gibt es in diesem Abschnitt kaum. Somit ist es auch nicht tragisch, dass wir bald im Nebel stehen.

Vom letzten Jahr weiß ich, dass rund um den See Empfang ist: ich kann kurz telefonieren und meine Eltern das Wetter checken lassen (paar Meter weiter reichte es auch selbst für Internet). Das sieht, wie beim letzten Mal Empfang haben gestern Nachmittag, immer noch mies aus. Regen und Gewitter die nächsten Tage. Nach dem Hochweißsteinhaus würde es entweder zur sogenannten Königsetappe gehen: 8 Stunden nur am Kamm, oder almmäßig und noch länger auf italienischer Seite. Ich hab absolut keinen Bock mehr auf Almen, den Kammweg hab ich letztes Jahr mit Sonnenschein gemacht, meine Beine sind müde,… mir fällt die Entscheidung dieses mal nicht schwer: ich steige ab. Also los, weiter zur Hütte. Kurz klart es auf, zack wieder dunkel.

Das Wetter lässt mich heute mehrmals an-aus-anziehen.
Trotz dem Gefühl, dass ich mich heute bergauf schleppe, sind wir nach 4:30 Gehzeit auf der Hütte. 6 Stunden waren angeschrieben, 5:45 sagt das KHW Büchlein, 5 Stunden die Via Alpina…so oder so, alle drei unterboten. Gutes Feedback, wenn man sich selbst eher gerade total schwach beim Bergaufgehen erlebt.

5 Minuten später kommt auch der Regen an.

Ich parke mich vor dem Ofen um meine verschwitzte  Kleidung zu trocknen, trinke einen Kaffee und als es kurz aufklart, steigen wir ab.

Luposch ist das Wetter auch zu schlecht, er braucht Lebensmitteln und seine Feau macht sich wegen mangelndem Empfang zu viele Sorgen.
Kurzweilig geht es bis Maria Lurgau, dort trennen sich unsere Wege. Obwohl ich mords Lust auf ein Cola hab, möchte ich die 70hm ins Dorf nicht aufsteigen und geh somit den Pilgerweg weiter. Und wieder 2 km retour. Eine Brücke die es gegeben sollte, gibt es nicht mehr.

Mein Schienbein schmerzt schon vom schnellen marschieren, also einen Gang runter schalten. Aber um 18 Uhr schließt der Spar in Obertilliach. Dort habe ich mich einquartiert, keine Lust auf Zeltplatzsuche heute mehr. 17:40…Spar erreicht, Essen kann somit gepimpt werden.

Dann heißt es Mahlzeit, Süßigkeitenreste auffuttern und grob mal studieren wie es weitergehen kann. Das Wetter sieht ja nicht berauschend aus.
Ein Lichtblick: ich treffe morgen auf Cäcilia, die mit einer Freundin zeitversetzt den westlichen Karnischen Höhenweg gegangen ist und jetzt mit mir weiter zieht.

31.Tag 31,5km, 426hm, 7:00h
5:15 Tagwache, 6Uhr Abmarschbereit. Die 17Kilometer im Nieselregen bis Sillian wollen hinter sich gebracht werden. Anfangs der Straße entlang, zum Glück ist sonst kaum jemand am Samstag um diese Uhrzeit unterwegs, ich habe die Straße so gut wie für mich alleine. Die Wolkenfetzen ziehen herum, es ist düster aber zumindest kommt der Regen von senkrecht oben ohne Wind, ich kann als Belüftung überwiegend einen Teil der Regenjacke offen lassen.

Nach 10km kommt ein Shortcut Richtung Silian, die Wolken verdichten sich noch mehr, es geht in einen Wald und runter zur Bahn. Meine App meint ich sollte auf der Bahn entlang, ja alles klar. 3:20 Stunden später bin ich in Sillian und warte. Kurz darauf trudelt Cäcilia ein, die Wiedersehensfreude ist groß. 2 Cappuccino und kurzes Essenshoppen später gehen wir am Radweg bis Innichen. Dunkle Wolken immer wieder über den Bergen neben uns, hi und da erhaschen wir einen Blick auf die Dolomiten. Italien!!!!! Juhu, nach exakt einem Monat.

Die Strecke verfliegt fast wie im Flug, wir haben uns einiges zu erzählen. In Innichen beziehen wir ein schönes Zimmer, kaufen Wanderkarten,

waschen Wäsche,…. und gehen viel und gut essen. Hauptspeise

Plus Nachspeise

Sollte ich erwähnen, dass das (bis auf 3 Stück von der Nutellapizza) alles für mich war und wir uns 30 Minuten vor dem Essen eine Chipspackung geteilt haben?
Natürlich wird aufgegessen, damit das Wetter schön wird…