7. Etappe Dolomiten

Innichen – kurz vor Völs am Schlern 122 km und 6301 hm
2.7. – 9.7.2023

Gesamt bis kurz vor Völs: 842,3km und 38.226 hm
Wandertage 35
Pausentage 4

32.Tag 18.9km, 1480hm, 6:20h
Auf das gute Frühstücksbuffet in unserer Unterkunft möchten wir nicht verzichten, auch wenn wir dadurch erst nach 9 Uhr loskommen.
Es geht direkt hinter der Haustüre in den Wald. Ein schöner Verbindungsweg zum Einstieg zu den Dolomiten. Selbst der danach parallel zur Zubringerstraße zum Wanderparkplatz verlaufende Weg ist wunderschön. Und so sanft ansteigend, perfekt zum Eingehen. Ich dachte es wird eine zache Überbrückung bis zum tatsächlichen Wanderweg zur 3-Zinnenhütte. In diesem Fall täusche ich mich gerne.

Vor der 3 Schusterhütte legen wir eine kurze Pause ein. Bereits jetzt ist das Panorma das uns umgibt traumhaft.

Danach haben unsere Beine noch einmal kurz Schonfrist als es über eine wunderschön Wiese und ein faszinierend breites, trockenes Flussbett geht. Direkt danach beginnt der eigentliche Anstieg. Der Weg ist super angelegt, wir kommen gut voran. Bis auf die Momente in denen wir stehen bleiben und uns staunend umschauen. Das machen wir ziemlich oft.

Wir sind sprachlos, so irre schön ist es. Am Handyfoto nicht ersichtlich, mit freien Auge schon: der Großvenediger.

3 kurze Regenschauer ereilen uns. Nicht weiter schlimm. Sogar eher toll die kommenden und gehenden Wolkenformationen, die unterschiedlichen Lichteinfälle und Stimmungen zu sehen. Eine kurze Rast vor dem finalen Aufschwung muss sein. Cäcilia ist zum Glück genügsam und findet meine Burrito-Schmelzkäse-Tomaten Variante auch sehr gut.
Weiter geht’s. Allmählich flacht der Weg ein wenig ab. Die Landschaft wirkt total surreal und erst all die verschiedenen Berge um uns herum. Massiv gezackt, scharf abfallend, sanft gerundet, grau, braun, grün,… so eine Vielfallt auf so kleinem Raum.


Auf der 3 Zinnenhütte holen wir uns etwas zu trinken und bestaunen die 3 Zinnen.

Schon ein Wahnsinn sie so nahe zu sehen. Schon irre wie sie dastehen. Aber wir sind von den anderen Bergen heute mindestens genauso beeindruckt gewesen. Das Gesamtpaket von heute macht es aus. Die Wolken spielen ihr übliches Spiel, endlos könnte man sie beobachten.


Auf der „Autobahn“ (es gibt eine Mautstraße herauf und einen breiten Wanderweg zu 3 Hütten, dementsprechend viel ist von hier weg los) gehen wir noch unsere verbleibenden 20 Minuten zu unserer Hütte. Die 3 Zinnenhütte ist monatelang im Voraus ausgebucht. Wir hatten Glück beim Rif.Lavaredo als wir heute Früh anriefen.
Das Wetter hat allen Gewittervorhersagen für den Nachmittag getrotzt, gut so. Trocken, aber bereits mit kommendem, dichtem Nebel beziehen wir unsere Betten, waschen uns, versuchen eine Route für die nächsten Tage zu finden, die Cäcilias Kondition und den leider täglichen Gewittervorhersagen entsprechen, essen gut und liegen früh im Bett. Was für ein wunderschöner Tag.

33.Tag 24.3km, 373hm, 5:50h
Wir sitzen punktgenau zum Frühstücksstart bei Tisch. Heute ist wieder ab dem frühen Nachmittag Gewitter angesagt, daher möchten wie so früh wie möglich los. Na gut, etwas Positives hat dieses Frühstück. Es nimmt zumindest nicht viel Zeit in Anspruch. 3 Scheiben von einem Baguette, Marmeladen, Butter, Honig und 1 Joghurt. Beim Kaffee fragen wir uns ob wir allen Ernstes in Italien sind: Löskaffee mit komisch schmeckender Milch, trotz vorhandener Kaffeemaschine. Wir freuen uns jetzt schon auf einen richtigen Kaffee in Cortina. (Ich erwarte mir auf Hütten keinen Schnickschnack, aber diese Hütte hat eine Zufahrtsstraße, im Gegensatz zu den meisten Hütten z.b.am Karnischen Höhenweg und die haben auch Filterkaffee in der Früh)
Ready für den Start, möchten wir gerade die Hüttentüre öffnen, als von draußen eine Gruppe hereinstürmt die 10 Minuten zuvor die Hütte verlassen hat. Triefend nass. Es schüttet wie aus Kübeln, oh ha. Also retour zum Tisch, bisschen abwarten und dann komplette Regenbekleidung an. Hilft ja nichts, wir sollten los, es liegt einiges vor uns.
Dichter Nebel umgibt uns beim Abstieg.

Um zügig voranzukommen nehmen wir anfangs nicht jede Abkürzung, sondern bleiben tlw auf der Mautstraße. Irgendwann hört es auf zu regnen, bis auf einen kurzen Moment bleibt es aber zugezogen und mit tiefen Wolken.
Die restliche Strecke bis Cortina ist für mich eine absolut reine Pflichtetappe wie es so schön unter Weitwanderern heißt. Ausgedeutscht….einfach hinter sich bringen, nicht viel darüber nachdenken, schönes gibt es wenig zu berichten.
Die ein, oder andere Strecke durch den Wald ist eh ganz nett, aber mehr auch schon nicht. 0 Sicht bleibt 0 Sicht. Ich ziehe absolut den Hut vor Cäcilia, sie hat mehrmals die Möglichkeit per Bus, oder Anhalter nach Cortina d’Ampezzo zu fahren und es sich dort in einem Kaffee gemütlich zu machen. Aber sie zieht das beinhart durch. Sie selbst freut sich heute über einfachere Wege, in ihr stecken auch schon 8 Wandertage innerhalb von 9 Tagen, die Beine sind müde. Ich würde ihr gerne sowohl besseres Wetter als auch spektakuläre Ausblicke bieten, immerhin hat sie Urlaub. Aber auf beides habe ich keinen Einfluss, also zumindest heute nicht. Daher noch einmal schriftlich: Chapeau!, für den heutigen Tag.
Zwischendurch singen wir endlose Strophen des Regenwurm Liedes, begeistern uns mit neuen Wrap Kreationen (vegane Würstel vom DM, Schmelzkäse und zerbröselte Chips – köstlich), küren die Überquerung eines kleinen, aber ziemlich reissenden Flusses als Highlight heute und stopfen kurz vor Ende Motivationschips in uns hinein.


Heute waren es nicht die Höhenmeter hinauf, sondern hinunter (1750) die ermüden.
In Cortina d’Ampezzo fallen wir bei der ersten Cappuccino Möglichkeit ein. Kaum ist dieser serviert beginnt es zu regnen. Als wir ausgetrunken haben schüttet es. Also noch einen zweiten. Die Frage ob wir weitergehen ist hiermit erledigt, wir beziehen ein Zimmer. Abends donnert, blitzt und schüttet es stundenlang ohne Pause. Wir hatten heute schon Matschwege, das kann ja morgen spannend werden.

Tag 34 18.3km, 1340hm, 5:41h
Es hat bis weit nach Mitternacht gewittert, unser Schlaf war davon zum Glück nicht beeinflusst. Wir konnten unser Frühstück beim Hotel leider nicht abbestellen, rechnen aber mit keinem guten Kaffee. Daher sitzen wir um Punkt 7 vor der Pasticceria direkt gegenüber, mit Blick auf die Cristallogruppe und trinken köstlichen Kaffee.

Gut so, weil im Hotel ist er dann wirklich fast ungenießbar.
Heute geht’s die erste Hälfte der Strecke nur kontinuierlich nach oben. Was uns gestern alles verborgen blieb, erstrahlt heute in fast wolkenlosem Himmel. Bereits in Cortina ist die Kulisse genial, wir steuern direkt auf das Tofanenmassiv zu.

Der Weg ist schön, wir kommen gut voran und legen auf halber Strecke beim Ref. Dibona einen Kaffeestop ein. Danach wird es noch schöner. Wir kommen den Tofanen sehr nahe. Da sich bereits dunkle Wolken zeigen und ab 13 Uhr Gewitter vorhergesagt sind entscheiden wir uns gegen die Variante 300hm weiter oben und traversieren eine Etage tiefer. Wir können es gar nicht oft genug sagen, wie schön wir es finden. Ein Traum von einem Weg. Total unschwierig, aber umgeben von so schöner Kulisse. Imposant, das trifft es gut.

Aber auch links von uns gibt es viel zu sehen. Die Ampezaner Dolomiten erstrecken sich über Stunden direkt neben uns.

Umdrehen lohnt sich auch. Hinter uns das Marmarole Massiv mit seinem Punta Sorapris.

Wir haben uns heute für Couscous zum Mittagessen entschieden und ihn bereits vor über eine Stunde in meinem Frühstück- und coldsoaking-Ex-Eisbecher eingeweicht und so transportiert. Funktioniert perfekt.


Wir passieren alte Stellungen aus dem 1.Weltkrieg

und kommen danach zum Falzarego Pass. Von dort ist es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Ziel, zum Glück, denn kurz darauf müssen wir unsere Regenjacken anziehen. Angekommen am Valparola Pass (2180hm) scheint dahinter noch ein wenig die Sonne. Ich kann nicht anders als in den See zu gehen. Dass die Hütte in Sichtweite ist, ist mir egal, es ist einfach zu verlockend.

Cäcilia ist dann auch überzeugt und wagt sich ins kühle Nass. So eine herrliche Erfrischung. Mit dem angedachten in der Sonne Sitzen wird es dann nichts, es zieht schnell zu. So wie der Regen vom Himmel fällt, so fällt mir die Kinnlade runter. Die Hütte ist voll. Keine Chance hier zu bleiben. Es handelt sich um eine private Hütte direkt an der Passstraße, sie haben keinen Winter- oder Notraum. Offenbar ist Refugio nicht gleich Refugio und nicht so wie ich es verstehe…quasi eine Alpenvereinshütte.
Es soll wieder die halbe Nacht gewittern, daher haben wir auch die Hütte und kein zelten angedacht.
Ich steh noch etwas neben mir, nimmt Cäcilia das Zepter in die Hand und recherchiert schnell. Am Pass bei dem wir vor knapp einer Stunde waren gibt es eine Unterkunft. Ein Anruf später haben wir 2 Betten im Dorm, 30 Minuten später eine Mitfahrgelegenheit hinunter.

Ich zieh daraus meine Konsequenzen und wir buchen die nächsten Tage vor. Auf der Hütte direkt am Piz Boe die nächste herbe Enttäuschung…voll. Ich träume seit dem losgehen davon, direkt oben auf der Hütte zu schlafen um den Sonnenaufgang zu sehen und nun das. Was für ein bescheuertes Ende eines so schönen Tages. Das mühsame an den Hütten in Italien ist, sie haben alle kein Buchungssystem so wie in Österreich, sondern du musst jede Hütte anrufen, oder anschreiben. Die Englischkenntnisse sind nicht selten nur rudimentär vorhanden. Extrem mühsam. Wir finden eine andere Hütte kurz nach dem Gipfel und nachdem Cäcilia gefühlt 100mal in einer Hütte am Sellajoch angerufen hat bis endlich die eine Deutsch sprechende (ging besser als Englisch) Person zur Verfügung stand, haben wir auch eine Unterkunft für das Ende unserer gemeinsamen Wanderung.
Alle liegen schon vor der Hüttenruhe im Bett, auch wir haben es um 21:20 endlich geschafft alles fertig zu organisieren. Gott bin ich dankbar, heute einmal dieses (um)-organisieren nicht allein getragen haben zu müssen.

35.Tag 18.4km, 1130hm, 6:00h
Die Nacht im engen Dorm war besser als vermutet, das Frühstück ein wenig mehr als auf der ersten italienischen Hütte. Fan werde ich aber sicher keine vom hiesigen Frühstück. Auch nicht, dass es offenbar sehr unüblich und tlw nicht möglich ist, nicht Nächtigung mit Halbpension nehmen zu wollen.
Um 7:20 sind wir startklar und machen uns zu Fuß wieder retour zum Pass von gestern. Heute aber auf der Straße in der Hoffnung wieder eine Mitfahrgelegenheit hinauf zu bekommen. Auf halber Strecke erbarmt sich uns einer und wir werden mitgenommen. Zack bumm, so schnell stehen wir also wieder da wo wir gestern aufgehört haben.
Es geht ab dem 1.Meter wunderschön dahin. Mit grandioser Aussicht.

Den dunkelblauen Himmel auf der einen Passseite blenden wir einfach aus. Minimal rauf und runter traversieren wir einen schönen Hang. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und die Umgebung genießen. Was für eine irre Vielfallt am Horizont.

Links ein Kollos an Bergmassiv (am auserwählten Foto nicht sichtbar), in der Mitte schneebedeckte Berge, rechts die Ausläufer der Tofanen. Am Ende der Traversierung werden wir auf der anderen Seite des Hanges rausgespuckt und stehen mitten vor einer lieblichen Alm. Was für ein Unterschied zu der anderen Seite. Wir beide können unser Glück zwecks der Fernsicht gar nicht fassen. Wir sehen den Piz Boè Gipfel, unser Ziel für morgen.

Links davon die seit gestern sichtbare Marmolada ( im italienischen mit „d“ geschrieben; höchster Gipfel der Dolomiten; 3343hm) mit ihrem Gletscher,

rechts davon die Poez-Geisler Gruppe.

Leider ist wieder Gewitter ab 15 Uhr angesagt, ansonsten würden wir es uns direkt in der Wiese gemütlich machen.

So aber steuern wir die Marmotta Hütte für einen Kaffee und Zuckergetränk an um uns kurz danach einen Burrito zuzubereiten. Der Abstieg über den Jägersteig zum Pass ist dafür, dass wir uns mitten in einem Skigebiet befinden wunderschön.

So und nun heißt es noch einmal Zähne zusammenbeissen und 750hm zur Hütte rauf. In der prallen Sonne, anfangs auf einer steilen Fortstraße. Die Motivation schwindet bei Cäcilia, dennoch widersteht sie der Möglichkeit ab dem Lago Piz Boè mit dem Sesselllift bis fast zur Hütte zu fahren.

Zum Glück wird der Weg ab dem See wieder schön. Vor allem die vielen gelben Blumen. Die Wolken bauen schon länger Haufen und Türmchen, aber es sieht noch gut aus. Immerhin traue sich Paragleiter in die Luft, da wird es nicht gleich donnern.

Nach 2 Stunden ist der finale Aufstieg geschafft. Der Rückblick wo wir heute herkamen ist grandios,

die ersten schroffen Wände des Massives direkt vor uns ebenso.

Die Hütte liegt auf 2550hm in spektakulärer Lage und der Ausblick ist fesselnd. Sogar aus dem Waschraum.

Wahnsinn wieviele schroffe Bergspitzen in den Himmel ragen. Kurz vor dem Abendessen beginnt es zu hageln. Auf unserem süß gedeckten Tisch warten 2 Gläser Weißwein. Das sind dann Momente in denen ich es „schade“ finde, dass ich nichts mehr trinke. Cäcilia mag keinen Wein, also knabbern wir an den Brotchips und reichen unsere Gläser unseren Nachbarn. Aufgrund des Starkregens entstehen abends mehrere Wasserfälle die die steilen Felswände runterrauschen. Uns fehlen die Worte.



36. Tag, 3km, 580hm, 2:10h
Ich wache zufällig zum Sonnenaufgang auf und weiß nicht wovon ich mehr begeistert sein soll. Vom Anblick auf die Marmolada mit Mond,

oder von der Tatsache, dass ich überhaupt etwas sehe, schließlich war Starkregen für heute Früh angesagt. Das muss genutzt werden, ich jauke die verschlafene Cäcilia um 5:30Uhr sanft aus dem Bett. Zu meinem Glück bekommen wir trotz abbestelltem Frühstück einen Cappuccino, denn mein Instant Kaffee wird heute verschmäht, aber ohne ist mit meiner Mitwandererin stundenlang kaum etwas anzufangen. Sagt sie selbst.


Um 6Uhr30 stiefeln wir los. Anfangs noch gemütlich, aber sehr beeindruckend unterhalb der steilen Felsen entlang. Mit wunderschönen Rück- und Ausblicken.

Was haben wir für ein verdammtes Wetterglück. Wir biegen ab auf ein Schotterfeld, das ziemlich steil und tlw mühsam lose nach oben geht. Am Ende wartet eine neue Herausforderung auf uns. Eine eigentlich einfache, versicherte Kletterstelle auf einer Länge von ca 60 Metern ist zum Teil mit Schnee bedeckt, oder aber die „Randkluft“ grenzt noch nahe dran. Oft können wir nicht dort steigen und gehen wo man normalerweise stegt. Wir beide kriegen ein wenig Muffen sausen, denn die Finger sind kalt, das (Stahl)Seil nass und wir sehen keine 5 Meter hinauf und wissen somit nicht ob es einfacher, oder schwieriger wird.

Gemeinsam schaffen wir die Passage aber mit Bravour und können danach ein wenig durchatmen. Die Wolken ziehen auf, die Bergstimmung grenzt an einen ewig andauernden Sonnenaufgang.

Der Weg ist nun wieder einfacher, ich entdecke sogar fossile Abdrücke. Kuhtrittmuscheln. Ich habe die auch schon am Dachstein gesehen. Sie stammen aus dem Trias und sind vor allem in den nördlichen Kalkalpen zu finden.

Ca 70HM unter dem Gipfel stecken wir drin im Nebel und kurz darauf beginnt es zu schneien.

Der Gipfel ist wie so oft beschrieben ein einziger Schandfleck. Eine kleine Hütte direkt oben drauf, daneben ein überdimensionale Reflektoranlage, eine Baustelle weil die Hütte ausbaut und ein Minigipfelkreuz.

Egal, wir können es beide kaum fassen, dass wir uns tatsächlich auf 3152hm befinden. Es ist erst 9 Uhr als wir in die Hütte kommen und es uns mal bei einem Cappuccino gemütlich machen. Ich habe heute Früh eine E Mail bekommen, dass sie doch 2 Betten für uns haben. Mir wurde mehrfach empfohlen heroben zu schlafen, weil der Sonnenaufgang so beeindruckend sein soll, also entscheiden wir nach längerem Überlegen hier zu bleiben. Insgesamt 5 Kaffee pro Person, ein 2 stündiger Mittagsschlaf, ein paar Spiele, Blog vorbereiten, über 130 Gramm Schoki für mich, Fotos aussortieren, kurze Lichtblicke im sonst Nebel, Hagel, Regen, Schnee,

…später ist es bereits Abend und wir ziemlich ausgeruht. Endlich.

37.Tag 12,4km, 423hm, 5:10h
5Uhr10, es wird unruhig in der Hütte. 5Uhr20, wir stehen in klirrender Kälte und beobachten das Farbspiel des Sonnenaufganges. Schon sehr schön.

Vor allem wie gestern schon die Marmolada mit dem Mond darüber.

Als wir um 7:30 nach eigenem Frühstück starten ist es eisig kalt. Wortwörtlich. Es hat in der Nacht geregnet und geschneit, der Boden ist stellenweise gefroren und flechendeckend angezuckert. Wir ziehen uns Handschuhe an, die Finger schmerzen trotzdem schnell. Der Wind pfeift. Im Schneckentempo und total vorsichtig geht es die ersten Höhenmeter hinunter, na das kann ja heiter werden. Ist das eine gute Idee?

Wir glauben schon, dass es allmählich besser wird, als wir unerwartet vor einer seilversicherten Passage stehen. Haben wir doch den falschen Weg genommen?


Es sieht jetzt nicht soooo schlimm aus, allerdings geht die Stelle durch ein Bächlein und wir sehen schon vom Einstieg aus, dass alles vereist ist. Wir versuchen es dennoch. Wie auf einem frisch poliertem Eislaufplatz fühlen wir uns, die Stufen bieten 0.0 Gripp, das Stahlseil ist ebenso mit einer Eisschicht überzogen, kein Halt weit und breit. Wir versuchen uns noch langsamer zu bewegen, mit den Stöcken zu verspreizen und ja nicht ruckartig zu bewegen … Gott ist das rutschig.
Da kommt die wunderschön gelegene Boe Hütte die von der Sonnen beschienen wird genau richtig.

3 Kaffees pro Person geben wir uns – heute ist kein Regen und kein Gewitter angesagt und nur eine kurze Tour. Wir dürfen also endlich endlos genießen. Genug Zeit um immer wieder mit dem Kopf zu schütteln wenn wir zurück nach oben zur Hütte schauen und sehen wo wir gerade herkamen und wie rutschig es war. (Kleiner Tupfen mittig im Bild ist der Reflektor bei der Hütte)

Schnell kommen wir eh nicht voran, obwohl es ab der Boe Hütte nicht mehr eisig ist. Ich mach heute so viele Fotos wie noch nie. Diese Mondlandschaft lässt sich nicht einfangen. Diese verschiedenen Stufen im Gestein. Diese Abbrüche. Ich bin absolut fasziniert.

Mich beschäftigt der Aufbau und die Gestalt des Sellamassivs sehr, ich dreh mich immer wieder im Kreis und schüttel den Kopf. So etwas surreales habe ich noch nie gesehen. Ich merke, dass mich die Tatsache, dass ich einen 3000er bestiegen habe deutlich weniger beeindruckt als das Massiv hier.
Ewig schön und beeindruckend geht es weiter,

hinunter auf eine schöne Zwischenebene auf 2300hm, mit einem eiskaltem, kitschig schönem Fluss. Pause Nummer 2. Füße rein, Essen, rumliegen. Herrlich.

Unser weitere Weg scheint gesperrt zu sein, wir müssen daher einen anderen Abstieg zur Passstraße wählen und kommen etwas tiefer an. Am Schluss geht es über einen Hangrutsch, wer weiß also was unserer eigentlichen Route widerfahren ist.

Paar wenige Minuten müssen wir auf der Straße nun bergaufgehen. Reicht aus um einem Auto hinterher zu fluchen weil es rüberschneidet und die Augen bei einem Motorrad zu verdrehen, weil es uns einstinkt.
Die letzten 250 Höhenmeter zu unserer Unterkunft haben wir einen sagenhaften Rückblick.

Das Panorama gehört gewürdigt:

Pause Nummer 3, ich koche uns Kaffee.
In der Unterkunft beim Sellajoch wird dann Wäsche gewaschen, ich trinke meinen 6.Kaffee und gutes alkoholfreies Bier und bekomme unerfreuliche Neuigkeiten von meinen Eltern: die Schuhe wurden noch nicht geliefert, sie machen sich aber schon auf den Weg zu meinem Bruder in die Schweiz.
Am Heimweg nach Wien eine Woche später, war ein kurzer Stop bei mir geplant um mir neue Schuhe zu bringen. Nach über 800km sind sie zwar noch überraschend gut beinander, 1000km halten sie aber sicher nicht mehr und es wird logistisch immer schwieriger neue zu bekommen. Also endet der Abend in Schuhgeschäftrecherchen und ich weiß immer noch nicht wie ich weitergehen möchte.
Cäcilia bekommt also live mit, wie so ein klassischer Abend bei mir meist aussieht…irgendwas steht IMMER an, wirklich Beine hochlegen und nichts tun gibt es kaum.

38.Tag 0km, Pausentag
Das Sellajoch ist das Ende der gemeinsamen Wanderung mit Cäcilia, sie muss wieder retour nach Hause. Aber einen gemeinsamen Faulenztag gönnen wir uns noch und machen das, was wir gut können: Kaffee trinken und Berge bestaunen. Davon gibt es am Sellajoch genug: das Sellamssiv, sowie nebenan das Marmolada Massiv

Puez- Geisler Gruppe

und dem Plattkofel.

Nur den Vormittag nutze ich noch kurz um morgen Schuhe nach Meran zu bestellen und mir meine nächsten 4 Tage grob anzuschauen. Danach heißt es die Woche Revue passieren lassen.
Ich darf Cäcilia’s WhatsApp Chat mit einer Freundin zitieren:
„Gestern am Sellajoch angekommen, die Tour war eine irre Erfahrung. Ich war an meiner Grenze immer wieder, wegen Gewitter, Regen, früh los und kaum Pausen. Und gestern zum 1.Mal prächtiges Wetter. Zeit für Pausen und dennoch sehr aufregend. Oben Schnee und Eis, gefrierender Regen hat das Mittelstück zur Eislaufbahn gemacht, unten Wegsperre wegen „who knows“… bin ure froh heil am Ziel zu sein. Mein Körper hat die Tage brav mitgemacht, mein Geist war mitunter am Verzweifeln, fluchen, in Frage stellen was ich da treibe. Insgesamt total genial!“
Als sie ihre Heimreise recherchiert, schiebt sie frech an mich gewand hinterher:“ Google maps sagt es sind zu Fuß 4 Tage und 11 Stunden nach Wien. Irgendetwas machst du falsch“.
Liebe Cäcilia, es war mir ein Volksfest die Tage mit dir. Darfst dir ruhig noch paar mal auf die Schulter klopfen für’s durchhalten, auch wenns anstrengend war. Danke für’s Schlafsack und Isomatte mitschleppen obwohl wir leider nicht zekten konnten, aber vor allem danke fürs zum Lachen bringen. Ich habe nämlich bereits vor Wochen gemerkt was mir beim alleine Weitwandern fehlt: das viele lachen. Zu Hause bin ich von vielen Menschen umgeben und lache wahnsinnig gerne und würde auch meinen viel. Hier bin ich überwiegend alleine und kann meist nur über mich lachen. Geht auch, ist aber nicht das selbe.

39. Tag 26,7km, 975hm, 6:50h
Nocheinmal ordentlich zulangen beim für italienische Verhältnisse guten Frühstücksbuffet (abgesehen vom Kaffee). Der Abschied fällt uns dieses Mal schwerer, denn jetzt sehen wir uns bis zu meiner Rückkehr im Herbst nicht mehr. Direkt vor dem Haus trennen sich unsere Wege, ich gehe weiter Richtung Westen, Cäcilia nach Osten zur Bushaltestelle an der Passstraße.
Bewegung hilft und die Kulisse lenkt gut ab.

Es ist Sonntag und ziemlich viel los. Aber mich stört das heute nicht. Der Weg ist ziemlich gemütlich, nur 2 kurze steile Anstiege, ansonsten wellt er sich dahin. Die Marmolada überrascht mich mit einer stark abfallenden Kante im Südwesten. (Re. Zipfel Marmolada, ganz links Piz Boè)

Auch der Plattkoffel hat eine ganz andere Seite als seine vom Sellajoch sichtbaren schroffen, steilen Wände. (Koloss in der Mitte; Ansicht vom Sellajoch siehe Foto weiter oben mit den 3 Türmen)

Im sonst so weißen Gestein stechen die roten Gipfel rund um die Roterdspitze heraus. Der Übergang zwischen Rot und Weiß ist danach wieder abrupt.

Immer wieder toll zu sehen, wie unterschiedlich ein Berg bzw ein Massiv aussehen kann, je nachdem von welcher Himmelsrichtung.
Die Ausblicke auf das Rosengartenmassiv sind beeindruckend. Tiefe Furchen, unzählige Türme und immer wieder neue Einschneidungen sind zu erkennen.

Bei der Schlernhütte (weil sie sich auf der Schlerngruppe befindet) mache ich einen zweifachen Cappuccino Stopp und genieße noch einmal die Aussicht. Selbst von hier kann ich immer noch den Piz Boè Gipfel erkennen.

Die Hütte, auf 2450hm, liegt zu Fuße des kleinen Hügel Monte Pez: der letzte Gipfel in den westlichen Dolomiten.
Was für unbeschreiblich beeindruckende und vielfältige Landschaft das war in den letzten Tagen seit Innichen. Die Dolomiten haben einen tiefen Eindruckbei mir hinterlassen, auch wenn für meine Verhältnisse an manchen Stellen zu viel los war. Liegt daran, dass Italiener gefühlt auf jeden Gipfel eine Bergbahn bauen und die Hütten/Almdichte recht hoch ist.
Tschüss Dolomiten, ich fülle meine Wasserflaschen an und beginne mit dem Abstieg. Immer noch mit einem tollen Blick auf den Rosengarten und seine Gipfel.

Schnell lande ich in einer schönen Klamm und direkt dahinter gibt’s gefühlt eine Watsch’n: Hallo Hitze aus dem Tal. Ich kann Bozen sehen und auch die nun nicht mehr alpin aussehenden Berge die mich die nächsten Tage erwarten.

Ich hoffe auf viel Schatten.
Eine kleine Lichtung schaue ich mir genauer an, leider mehrere 20 Zentimeter hohe Erdhügel drauf, da kann ich nicht schlafen.

Ich frag bei einer Alm nach ob ich mein Zelt aufstellen kann. Kein Problem, aber bitte innerhalb des Gatters, so dass ich von den Kamelen in der Nacht ruhe habe. Aja, okay.