Balme – Ref. Meleze 197 km, 13.056hm
10.8.- 18.8.2023
Gesamt bis Ref. Meleze
1804,4 km, 90.110hm
72 Wandertage
7 Pausentage
71. Tag 22,1km 1775hm 6:45h
Mein Knie schmerzt schon wieder in der Nacht, zum Glück habe ich mich für 2 leichte Tage entschieden gehabt gestern und vorgestern. Möchte nicht wissen wie es rebellieren würde, wäre ich weitergegangen. Wobei, vielleicht werde ich es bald wissen, denn die nächsten 3 Tage werden eher wieder intensiv. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Ebenso wie der 15.8. , DER Feiertag schlechthin in Italien. Alles steht Kopf, alles ist um den Tage herum ausgebucht, selbst in Restaurants bekommt man ohne Menüvorbestellung oft nichts. 2 Deutsche GTA Teilstreckenwanderer am Nebentisch haben sich schon vor einer Woche eine Ferienwohnung in der Poebene gemietet und werden die Tage absteigen, die Zeit aussitzen und nach dem 15.wieder weitergehen. Und ich hab immer noch keine Idee wo ich in weniger als einer Woche sein werde. Ich habe ein Zelt ja, aber die Schönwetterperiode ist ab Samstag zu Ende, meine treuen Begleiter die Gewitter sind laut Vorhersagen wieder täglich im Anmarsch. Mein Kopf brummt also beim Frühstück weil der mühsame Teil schon wieder losgeht. „Planen“. Die letzten 2 Wochen habe ich so sehr genossen, bin ruhiger geworden, war mit einer größeren Leichtigkeit unterwegs weil keine Gewitter und vorgegebene Route und jetzt…. . Naja, es hilft eh nichts, ich habe keine Lösung parat also kann ich das grübeln auch sein lassen und mich mal auf die nächsten Tage konzentrieren und freuen.
So stiefel ich also los und …Bingo, die Landschaft schafft es, mich im nu im Hier und Jetzt sein zu lassen. Der Weg neben dem Fluss entlang ist einzigartig,


mit jedem Höhenmeter erarbeite ich mir mehr Sicht auf die Berge in 2.Reihe hinter mir.


Was für eine Freude diese An- und Ausblicke. Es geht an Seen vorbei und kurz bin ich verleitet in einem ein Bad zu nehmen, aber der Wind ist zu kalt. Nach 2 Stunden erreiche ich das Biwak, ja das wäre definitiv schön gelegen. Aber so konnte ich mir gestern eine Unterkunft in Susa reservieren, meine Wäsche waschen und mein Knie, ja mein Knie hätte gestern hier herauf auch nicht mehr gewollt. Also alles gut so wie es ist. Eine einzige Steinwüste um mich. Nichts Grünes mehr auf den entfernten Bergen. Alle Bergspitzen über 3000hm. Kein Wunder, dass der erste Pass überraschend schnell kommt bei so einer einzigartigen Landschaft. Sehr abwechslungsreich der Aufstieg.


Auf der anderen Seite geht es in einer unspannenden Almlandschaft kurz bergab, was für ein Kontrast zur anderen Bergseite.
Scharfe Rechtskurve und hinauf zum 2.Pass. Dort gefällt mir die Aussicht schon wieder besser.



Ich nutze den Empfang und schreibe schnell meiner Unterkunft in Susa, dass ich gerne 2 Nächte bleiben möchte statt einer. Ausgebucht. Na toll. Blöder Feiertag und verlängertes Wochenende. Er hat aber noch etwas anderes frei. Dank Google translate finde ich heraus, dass es auch Mehrbettzimmer für Pilgerer gibt in deren Haus, also buche ich mich für die 2.Nacht dort ein. Gefühlt könnte ich locker ohne Pausentag weitergehen, obwohl mein letzter 3 Wochen her ist (wenn ich in Susa bin), aber er wird mir auch nicht schaden, ich hoffe auf ausschlafen, mein Schuhproblem lösen und den ganzen Tag nur Kaffeetrinken (wissend das Pausentage am Ende eh nie so enden).
Der Abstieg wird im Wanderführer schon als kniebelastend beschrieben und so ist es dann auch. Steil, sehr steil, steil…aua, autsch, aua. Beide Knie melden sich. Aber zum Glück noch im Rahmen. In Usseglio gibt’s ein Eis, Cappuccino, Pseudo-Soda-Zitron und Croissant, sowie einen WhatsApp Chat mit einem Schuster in Susa…ich schicke ihm Fotos, er mir die Öffnungszeiten und auf meine Frage ob sie sich reparieren lassen bekomme ich ein „werden wir sehen“. Naja, dann bete ich halt weiterhin wie seit ungefähr 2 Wochen, im Stundentakt zum Universum, dass sie halten. (Solche Stellen gibt es an beiden Schuhen, insgesamt 6 mal, tlw mit Blick bis zur Naht runter)

Hier ist Etappenende, ich gehe aber noch weiter zum Refugio Volpot. Straße ohne Verkehr, Wald mit Fluss, … so geht’s dahin, bis ich eine Abkürzung nehmen möchte um die letzten KM wieder auf der Straße zu gehen. Ich folge einem markierten Wanderweg dessen Markierung immer schwächer wird und der Pfad sich in einem Hang verliert. Die Offlinekarten sehen Wege wo es keine gibt also ramme ich meine Stöcke in den Boden und versuche irgendwie halt zu finden auf dem steilen Grashang (wir reden hier nicht von normalen Gras, sondern kniehohes Rutschgras) und mich nach oben zu ziehen. 40Hm über mir ist die Straße, das weiß ich. Universum, lass das bitte keine Schnappsidee sein, meine Stöcke halten und vor allem meine Schuhe. Was mach ich da zum Teufel? Oben angekommen reicht es mal mit Abkürzungen und von der OsmandApp vorgeschlagene Alternativen (ich sag nur Brennesseln bei Bad Kleinkirchheim; nicht im Blog erwähnte Abkürzung am Tag richtung Orpopa die im steilen Dickicht endete).
Kurz vor dem Refugio sehe ich ihn. Den schön spitzgeformten Rocciamelone. Mein Gipfel, 3538hm, für morgen. Sieht am Foto so mikrig aus.

Ich bekomme ein Einzelzimmer und nutze die Zeit bis zum Essen, mir hochzurechnen wieviele Tage es in etwa noch bis zum Meer sind. Plötzlich überkommt mich Panik. 13. 13-15 Wandertage bei guten Bedingungen. Das geht mir zu schnell! Viel zu schnell. Das Ende macht mir plötzlich Angst, mir steigen Tränen in die Augen. Wie, es soll bald vorbei sein? Retour in den Alltag? Ich habe doch noch so viel Zeit bis zum wieder Arbeiten! Habe ich meine Zeit denn überhaupt genutzt? Ich bin doch viel zu früh fertig!…ich reiss mich am Riemen, atme durch, geh telefonieren und kann dann doch nicht anders als wieder die ein, oder andere Träne zu verdrücken. Mein Körper hat beschlossen meine Tage auszusetzen. Ich hänge in einer HormonEmotionsSchleife fest, vielleicht bin ich deshalb so nahe am Wasser gebaut.
Nach dem Telefonaschreibe ich noch mit einer Freundin, aber alle liebgemeinten Vorschläge fühlen sich falsch an, nichts passt. Ich befürchte man kann mir auch nicht helfen, weil es wahrscheinlich schwer bis kaum nachempfindbar ist, wenn man nicht selbst längere Zeit unterwegs war.
Es ist verrückt – bis heute in der Früh war mein Tenor seit längerem „ich genieße es, ich habe nach wie vor Freude daran, liebe das Wandern und die Berge, die Neugierde ist ungetrübt, aber ich möchte keine Umwege gehen, es ist okay und gut wenn es zu Ende ist.“ Und nun das. Ich kenne es schon von den Fahrradtouren, egal wie lange, oder kurz sie waren, ich wollte nie heim. Ein wenig hat es mich verwundert, dass dieses Gefühl auf dieser Tour noch nicht gekommen ist. Dafür schlägt es jetzt ein wie eine Bombe.

72.Tag 30,11km 1908hm rauf 3156hm runter 9:30h
Da ich davon ausgehe, dass die Sicht je später umso schlechter wird und laut Vorhersage dichte Wolken am Nachmittag kommen sollen, möchte ich früh los und habe mir ein Thermofrühstück bestellt. So sitze ich am Zimmer und stopfe einen Teil des Süßkrames in mich hinein, ein paar Kekse nehme ich mit.

Um 6:10 bin ich unterwegs und bereue es in langer Hose gestartet zu sein. Das Refugio befindet sich auf 1800hm, nur marginal weiter unten als die Nacht im Zelt beim Stausee. Und da hatte es 3 Grad in der Früh. Heute ist mir aber bereits auf den ersten Metern zu warm. Ankündigungen des Wetterumschwungs der ansteht? Egal, ich bin damit beschäftigt einen Rhythmus zu finden und arbeite mich hoch zum Pass.


Danach, das weiß ich, kommt eine laaaaaanggezogene Traversierung die dennoch ein paar Höhenmeter bereit hält.
Das Refugio in der Ferne blende ich aus, ich ahne, dass es viel näher aussieht als es tatsächlich zu erreichen ist. (Minipunkt, live besser zu sehen, am Kamm Übergang Stein-Wiese). Der Gipfel für heute mit nur Gestein und stark abfallenden Hängen löst schon ein wenig Respekt aus.

Viel mehr erfreue ich mich den Monviso zu sehen und dass es hier noch viele Blumen gibt. Meine ersten Edelweiß auf dieser Tour (und ich sehe noch unzählige)



Die nächsten Kekse wandern in meinen Bauch, das italienische Frühstück ist für Wanderer nicht gemacht, mir knurrt der Magen.
Beim Refugio Ca‘ d’Asti kehre ich rasch auf ein Cola ein und zieh mir doch die Hose wieder um auf kurz. 1200hm bereits absolviert, geht es jetzt direkt hinauf zum Gipfel, knapp über 700hm fehlen noch. Ab dem Refugio umgibt mich nur noch Gestein. Wenn ich nach vorne schaue frage ich mich, wie der Weg zum Gipfel führen soll ohne Kletterstellen.

Aber der Weg ist klug und gut angelegt und gegen Ende mit Seilen zusätzlich entschärft (hauptsächlich zum Runtergehen etwas angenehmer). Ich merke aber, dass ich diese Landschaft und den steil abfallenden Hang neben mir nicht mehr gewohnt bin und versichere mich lieber paar mal, indem ich mich kurz umdrehe, ob ich mir den Weg hinunter eh noch zutraue. Bereits jetzt sind die Ausblicke toll.


Eigentlich ist alles halb so schlimm und der plötzliche Anblick des Gipfels und die ersten Gletscher im Hintergrund überraschen mich.

Ich bin am Rocciamelone auf 3538hm. Der höchste Pilgerberg der Alpen. Kein einziges Foto fängt ein, was man von hier heroben alles sieht. (Daher sind tlw ähnliche dabei um evtl einen besseren Eindruck vermitteln zu können)









360 Grad Traumpanorma, allen voran die Blickrichtung Frankreich und Frankreich-Schweiz. Den Mont blanc zu sehen begeistert mich am meisten. Aber auch den Grand Paradiso zu sehen und zu wissen, dass ich aus dessen Nationalpark herkomme und im Süden den Monviso zu sehen und somit die Richtung der nächsten Tage, ist schon ein spezielles Gefühl.




Einzig der Anblick vom Tal mit Susa, rund 3000hm tiefer passt irgendwie so gar nicht dazu. Gut eine Stunde sitze ich oben, schaue mir die verschiedenen Spitzen an, die Gletscher, den Rückblick wo ich heute geschlafen habe, … .

Einfach nur wirken lassen. Der Abstieg ist gut machbar (heller Streifen auf der Flanke ist der Weg ab der 2.Hälfte des Gipfelabstieges)

und ich kehre kurz auf Cappuccino und Kuchen ins Refugio ein und beobachte die vom Tal hochziehenden Wolken. (Fotos innerhalb von 15min)



Perfektes Timing. Primär dachte ich hier zu schlafen, aber das habe ich schnell über den Haufen geworfen. Ab dem Refugio sind es immer noch 2200hm hinunter, die möchte ich mir aufteilen, es ist ja erst halb zwei und ein Refugio kommt noch. Steil und über unzählige Trampelpfadmöglichkeiten bahne ich mir meinen Weg also nach unten. Kurz vor dem letzten Refugio auf halber Höhe nach unten spiele ich mit dem Gedanken doch bis Susa durchzugehen. Das wäre irre. Über 3000hm am Stück runter. Aber meine Knie spielen mit und es ist immer noch genug Zeit. Der Gedanke wird vor und zurückgespielt und ich nutze die Gelegenheit, dass ich Empfang habe und rufe die Unterkunft in Susa an in der ich für morgen und übermorgen ein Bett habe. Mit Google translate und einem sehr geduldigen Rezeptionist kläre ich ab, ob ich überhaupt ein Bett bekomme. Zimmer keines, aber im Mehrbettpilgerzimmer ist etwas frei. Passt, nehme ich, auch wenn ich mich auf ein Einzelzimmer gefreut hätte. So ist es also klar, es geht weiter. Mittlerweile drückt die Hitze von unten nach oben, Susa im ständigen Blickfeld und ohne Schatten zieht es sich ein wenig,

aber mich fasziniert was alles möglich ist … wenn man plötzlich Lust auf Pizza hat und den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Ich schwöre ich war langsam unterwegs schließlich möchte ich meine Knie nicht noch mehr beleidigen. Ich falle um 17:30 in den Supermarkt ein und kaufe für jede Geschmacksrichtung etwas ein, Eis und Trinkjoghurt wird sofort vernichtet.

Am Weg zur Unterkunft reserviere ich mir einen Tisch in einer Pizzeria, es ist Freitag, sicher ist sicher, genieße die Dusche, gehe gut essen

und liege mit dem restlichen Einkauf im Bett. Allmählich sickert der heutige Tag. 3156hm runter am Stück. Wenn ichs nicht selbst gemacht hätte würde ich sagen, das geht nicht.
73. und 74.Tag Pausentage
Der Schuster schaut nicht zuversichtlich drein, als er meine Schuhe sieht, aber er versucht sie zu kleben. Optisch sieht das Endergebnis gut aus, ob es in der Praxis was taugt werde ich sehen.
Ich muss schmunzeln wenn ich von hier herunten hinauf auf den spitzen Gipfel des Rocciamelone blicke – da war ich gestern oben und das alles bin ich runter – beides Kopfschüttelmomente.
Ich sitze in Kaffees, lese, telefoniere, genieße für eine Nacht ein eigenes Zimmer inklusive Filmstreamen,Chips und alkoholfreies Bier (danke Resl 😉 !, ein Abend wie zu Hause) , versuche zu entspannen … aber irgendwie fühlt es sich an, als wäre ich zum Warten verdonnert. Warten bis es wieder in die Berge geht, dafür bin ich ja da. Auf der anderen Seite hatte ich erst 5 Pausentage, aber es fühlt sich auch nicht an als würde ich jetzt welche brauchen. Aber so habe ich zumindest schon mal erfolgreich das Wochenende um den 15.8. erfolgreich überbrückt.
Das Ende kommt mir eh viel zu schnell zu nahe, aber rauszögern möchte ich es auch nicht. Naja, jetzt sind die Nächte schon gebucht also mache ich das Beste daraus und das ist zusammgefasst: essen und schlafen.
75.Tag 31,44km 2533hm 8:15h
Nach einer erholsamen Nacht gestern im Einzelzimmer mit Deckenventilator, bekomme ich heute kaum ein Auge zu. Die Matratze im Pilgerzimmer glüht förmlich und das Bett fühlt sich zu klein an. Der Wecker klingelt um 5:15, die Wettervorhersage ist sich nicht einig, aber es besteht die Möglichkeit auf Gewitter. Heute gibt’s entweder die Möglichkeit, dass ich bereits am Vormittag bei einem Biwak beende, oder aber eine für mich neue Höhenmeterleistung aufstelle und bis Usseaux gehe. Heute ist der 14.8., Fenstertag vor DEM Feiertag, überall wird viel los sein, ausgebucht ist so und so schon längst alles. Mal schauen wo ich heute schlafe.
Ich stapfe zügig los, anfangs durch VorortMiniHangdörfer mit dazwischen Wanderwegen, geht es bald steil hinauf. Im Wald, was sonst.


Es ist kurz nach 7 und mir tropft schon wieder der Schweiß vom Kinn. Der gesamte Aufstieg, vorbei am Posto Tapa bis zum Biwak ist unspannend. Letzteres erreiche ich nach 1600hm und 3:50. Es ist 10 Uhr.

Ich kann das Wetter nocheinmal kontrollieren und rechne mir hoch wie lange ich bis zum Pass brauche, angeschrieben stehen 2 Stunden. So, oder so geht sich das super aus, wenn das Gewitter kommen sollte, bin ich schon am Abstieg. Gut, somit wäre auch entschieden, dass ich herausfinden werde wie es ist 2500hm hinauf zu gehen. Der Nebel und die Wolken ziehen rein, Fernsicht gibt es keine, aber das stört mich nicht.



Der Weg führt über und auf kleinen Flussbächen, durch tiefe Furchen an Heidelbeersträuchern und am Schluss entlang eines schönen Hanges hinauf zum Pass. Ich stehe 75 Min nach dem Biwak wieder auf rund 2600hm, Susa liegt auf 500. Ging besser und vor allem schneller als gedacht. Der Abstieg hält ebenso faszinierende Wolkenspiele bereit bevor ich wieder in einen Wald eintauche.

In Puy lege ich meine Mittagspause ein, das komplette Dorf, bis auf ein Haus, ist verfallen. Es hört nicht auf mich zu beschäftigen.

Danach geht’s nochmal bergauf und ich sehe die Festung von Finestrelle. Leider bekomm ich sie so gar nicht auf ein Foto. Nach rauf folgt runter und ich entscheide mich bei einer Unterkunft am See anzurufen und zu fragen ob ich mein Zelt aufstellen darf. In der Hoffnung, dass wir uns gegenseitig richtig verstanden haben, habe ich ein ja bekommen. Somit schlendere ich in Usseaux ein, wo der Teufel los ist. Das Dorf ist bekannt für seine lebensechten Wandmalereien,

mir ist es jedoch als gesamtes viel zu aufgetackelt. Ich glaube auf der gesamten GTA habe ich noch kein so aufgehübschtes Dorf gesehen, das hier hat so gar nichts gemeinsam mit all den Anderen davor. Sehr unauthentisch finde ich. Hier fließt offenbar genug Geld. Im Restaurant steht draussen schon, dass sie bis 15:30 voll sind. Ich sehe aber einen freien Platz und frage ob ich für einen Kaffee und Kuchen mich setzen darf. Ja, wenn ich 15 Minuten auf meinen Kaffee warten möchte und kann, schon. So kommt es dann wirklich, sie sind gut beschäftigt, obwohl das Mittagsgeschäft längst um ist. Danach folgt nur noch ein kurzer Weg bis zum See, ich melde mich bei der Bar und ja tatsächlich ich darf zelten. Auch hier wimmelt es nur so von Menschen, ich aber bin froh diese so gefürchteten Tage um den Feiertag und das verlängerte Wochenende gut rumgebracht zu haben. Darauf und dass meine Beine sich top anfühlen nach 2533hm gibt’s noch mal Kaffee und Kuchen und ich finde eine Stelle etwas weiter oben, die eben und nicht direkt am See ist.

Eine ausgiebige Katzenwäsche am Waschbecken der Toilette später sitze ich glücklich vor meiner Instant Polenta, obwohl ich finde, dass Couscous mehr ausgibt.
Kurz vorm einschlafen geht dann in den Bergen um mich herum die Post ab. Mein Zelt wird mehrmals hell erleuchtet. Der Donner hört keine Sekunde lang auf und das über 30 Minuten lang. Irre! Das Regenradar zeigt, gaaaanz knapp hat es meinen Ort verpasst. Na was bin ich froh!
76. Tag 28,6km 1910hm 7:05
Ich habe erstaunlich gut geschlafen und gehe es ruhig an. Das Wetter soll heute halten, also packe ich zusammen und koche mir am See einen Kaffee.

Kurz darauf sperrt der Hausherr des Restaurants die Türe auf, ich darf rein und weit noch vor offiziellen Öffnungszeiten stehe ich an der Bar und genieße noch einen Espresso. Herrlich.
Mit herrlich ist es aber schnell zu Ende, wie kanns anders sein, schon nach den ersten Höhenmeter rinnt mir der Schweiß die Wangen runter. Mag sein, dass der Kaffee sein übriges dazu beiträgt, aber es ist einfach stickig und es geht gut hinauf. Man glaubt es kaum, aber offenbar gibt es die in Ö typischen Weidezaunöffner auch in Italien. Warum bitte nicht überall so?

Der Wald ist lieblich, aber dennoch freut es mich als ich aus ihm heraukomme. Das Panorama ist der Hammer. Retour erblicke ich den Rocciamelone

und um mich herum herrlich schroffe, farbige Berge.


Dennoch zieht es sich ein wenig, meine Beine sind nach gestern aber widererwartend top fit. Oben auf 2713hm hole ich Martin ein. Er ist vorgestern aus Susa los und gestern am Campingplatz im Nebendorf untergekommen. Wir plaudern ein wenig und dann bestaune ich die Aussicht auf der anderen Seite. Manchmal sind sich Landschaften mittlerweile ähnlich, aber viel öfters, so wie jetzt gerade, denke ich mir…einzigartig, noch nie so (auf dieser Tour) gesehen.



Die Farbschatierungen und die Schneeberge im Hintergrund, die sanften Wiesen mit den schroffen Bergen. Wunderschön, mein Herz kommt nicht zur Ruhe. Erst pocht es auf Anschlag beim Bergaufgehen und jetzt wegen der Aussicht. Runter geht es eine zeitlang noch gemächlich dahin, bevor es deutlicher hinunter geht.


Vorbei an einem beeindruckenden Wasserfall geht es retour zur Hitze.


Ach wie schön war das noch eben da oben auf der Scharte, da hat der Wind sogar mein T Shirt getrocknet. Es wird stickiger und heißer und der Weg beginnt sich zu ziehen. Bald geht’s einer Bergstraße entlang, das erste und einzige Restaurant wird okkupiert. Ich habe zwar am Abstieg mit Blick auf den Wasserfall Mittaggegessen, aber gegen ein Käsepanino hätte ich nichts einzuwenden. Pustekuchen, 15.8., ohne Vorbestellung geht nichts, die Küche hat zu tun. Naja, ein Käseweckerl dauert jetzt nicht ewig, aber okay. Eis, Stück Torte, 2 Cappuccino und 2 Blubbergetränke später habe ich mich entschieden nicht ins nächste Posto Tapa zu gehen, sondern zu zelten. Wasserflaschen aufgefüllt geht es durchs nächste Dorf in dem der Feiertag ausgiebigst gefeiert wird.

Bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich schon. Der GTA wurde kreiert um die Dörfer am Ende der langen Täler vor dem Aussterben zu bewahren und sanfen Tourismuszu fördern. In diesem wohnen ganzjährig keine 20 Menschen mehr. Aber ich möchte zelten.
ch mache mich auf den nächsten Anstieg. Adios, in der Pause getrocknetes T-Shirt. An einem gut besuchten Picknickplatz vorbei geht’s hinauf Richtung Pass, auf süße 1700hm. Aso, ja, davor ging es vom Pass auf 2700hm runter auf 1245hm, was denn sonst?
Direkt am Pass hab ich Glück und es gibt eine ebene Fläche, 3 Tische und ein Brunnen bei dem man sich mit etwas Geduld eine Katzenwäsche genehmigen kann. Mein Zelt steht, die Klamotten werden nicht mehr trocken, ich koche mir etwas mehr Instantpolenta als gestern und liege im Zelt mit einer Portion Nachspeise.



Ich hoffe, dass es heute Nacht aufklart und ich Sternschnuppen sehen kann.
77.Tag 33,6km 1953hm auf 1946hm runter 8:15h
Eine Sternschnuppe und ein wunderschöner Sternenhimmel waren mein Nachtprogramm.
In der Früh bin ich etwas träge, starte aber ohne Kaffee weil ich in spätestens 2 Stunden ein Dorf erreiche, welches mir dann hoffentlich einen serviert. Der Weg bis dahin ist unspektakulär. Runter nach Rodoretto, wo das Posto Tapa dauerhaft geschlossen hat, auf der anderen Flussseite im Wald wieder hoch, Pass und wieder runter. Allmählich glaube ich ein Buch herausgeben zu können: „50 shades of forest“ .

In Prali, einem Ski- und Wanderort kaufe ich zuerst Mittagessen für die nächsten 3 Tage ein und setze mich dann in ein Kaffee. 2 Cappuccinos und Süße Teilchen später irre ich erstmal ein wenig herum. Der Rother Wanderführer für die GTA nimmt mal wieder den Sessellift (dieses mal sogar in Betrieb) und beschreibt nicht wo die GTA langgeht. Die Schilder sind aufgrund von Varianten verwirrend, ich entscheide mich also meinem Navi zu folgen und lande erstmal steil auf einer MTB Strecke. Nach etlichen Höhenmetern treffe ich auf die GTA und der Weg zieht sich endlos. Es ist nicht mein Tag, oder besser gesagt nicht meine Landschaft und nicht mein Lieblingsboden. Ich kann so lose Steine beim steilen Bergaufgehen nicht leiden. Die Ferse rutscht weg, man tänselt auf einem Stein, man rutscht weg, man kippelt,… .




Das es irre heiß ist und es keinen Schatten gibt macht das ganze nicht besser. Kurz vor dem ersten See, einer von 13 hier heroben, wird es schöner.

Ich sehe in der Ferne die Karavanen an Menschen die mit dem Sessellift herauf gekommen sind. Nichts wie weg hier.


Mein Magen knurrt schon, obwohl ich ihn heute bereits gut gefüllt habe. Aber ich ignoriere ihn, denn ich möchte noch zum Pass weiter, dort soll man den Monviso sehen. Die Wolken werden allerdings immer mehr und so beschließen ich, nachdem ich direkten Blick auf die im Nebel/Wolken liegenden Scharte habe, doch eine Pause einzulegen.

Okay, weiter geht’s. Rauf zur Scharte über alte Militärwege und schwupps stehe ich im Nebel.

Schade um den Monviso, gut für mich, denn der Abstieg soll aufgrund einer Forststraße unhübsch sein (um es nett zu formulieren sein). Mir ist sie recht, so komm ich zumindest gut voran. Immerhin sind die aufsteigenden Wolken schön zu beobachten.

Am Ende geht’s dann nochmal über Wiesen und durch Wald bevor ich mein Ziel Villanova erreiche. Sowas von uneinladend, ich glaube es gilt nicht mal als Dorf, eher ein Wanderparkplatz mit 3 Häusern. In der Posto Tapa kaufe ich mir ein Eis und Cola und studiere die Karte. Nochmal 500 hm und ich wäre bei einem Refugio. Zeit wäre, es ist kurz nach 3, aber heute bin ich irgendwie ko. Eigentlich wäre es okay wenn der Tag zu Ende wäre, aber nicht hier. Ich rufe auf der Hütte an, alles voll (80 Betten, bitte was ist da los!), aber mein Zelt darf ich aufstellen. Ja umso besser. Also bahne ich mir meinen Weg entlang von einem rauschenden, wunderschönen Fluss wieder nach oben.

Es führt eine unasphaltierte Straße zum Refugio, kein Wunder, dass soviel los ist. Nicht viel los ist allerdings im Bezug auf Salamander die es hier geben soll. So zu Haufe, dass Schilder davor warnen nicht darauf zu steigen. Man sieht hier normalerweise dutzende innerhalb kurzer Zeit. Ich sehe keinen einzigen, zu trocken. Wie im Nationalpark Grand Paradiso, in dem man Steinböcke sehen soll (und danach) zeigt sich die Tierwelt eher mau auf meiner Tour. Oben angekommen grinse ich über beide Ohren. So ein schönes Hochtal, wahnsinn. Alles richtig gemacht und doch noch was schönes an dem Tag. Zelt etwas abseits aufgestellt, für 3 Euro darf ich duschen, mein Handy darf umsonst an den Strom und um mein tolles Instantpolenta und die letzte Portion Müsli zu sparen, buche ich mich zum Abendessen und Frühstück ein.

Mit vollem und schmerzenden Magen liege ich im Zelt, das Essen war gut und opulent. Glaube, heute rolle ich mich zum Sterneschauen nicht mehr raus.
78.Tag 19,5km 1627hm 5:45h
Wetterleuchten in einer Helligkeit wie ich sie noch nie erlebt habe.
Das Frühstück im Refugio ist ungewöhnlich viel, dafür kann man beim Kaffee hindurchschauen. Na zum Glück liegen 2 Refugios heute auf meinem Weg bis zum ernannten Tagesende.
Ich ziehe los, hoch zum ersten Pass mit einer schönen Rückansicht von heute Nacht.

Am 1.Refugio vorbei und gleichzeitigüber den ersten Pass,

geht es hinunter zum 2.Refugio, Barbara Lowrie. Dort lege ich eine längere CappuccinosKuchen-Pause ein, bevor es zum 2.Pass geht. Durch einen lichten Wald geht es schön nach oben


um plötzlich in einer ziemlich kargen Umgebung zu stehen.

Das imposante der letzten Wochen fehlt seit rund 3 Tagen, schön ist es aber allemal. Kurz vorm Pass sehe ich ihn schon, den Monviso. Wie ein Koloss steht er da, mächtig. Also doch wieder imposant, so schnell kann’s gehen.

Ich gehe noch ein Stück weiter und lege meine Mittagspause 1.Reihe fußfrei ein.


Irre, auch die Berge daneben. Wahnsinns Kulisse. Ich dachte nicht, dass ich so nahe rankomme. Die Wolkendecke reisst auf, der Anblick wird noch mächtiger. Ich höre mehrer Male Felsstürzte, dafür ist das Massiv bekannt. Der Abstieg zum Refugio Pian del Rai ist schnell gemacht, der Parkplatz überrascht mich dann schon sehr, Gott warum führt auf gefühlt jedes Refugio eine Straße.

Ich kehre ein und warte ab, denke nach. Eigentlich wollte ich hier aufhören, aber das ging extrem schnell heute. Bis zum nächsten Refugio wäre es noch machbar, aber dieses ist lange im Vorhinein ausgebucht. Hier bleiben wäre eine Option, aber der Tag war viel zu kurz und ich habe beim Abstieg potentielle Plätze im Aufstieg gesehen. So verweile ich also bis um 5 Uhr in der Sonne vor dem Refugio, beobachte die Wolkenspiele und ziehe weiter. Vorbei an der Quelle des Po’s

geht es rauf zum See.

Da hab ich wohl die Höhenmeter nicht genau studiert, denn nach wenigen Minuten bin ich schon oben. Naja, Zeit und Höhenmeter habe ich mir somit für meine morgige Tour nicht erspart, dafür habe ich eine wahnsinns Kulisse gewonnen. Nahe am See ist eigentlich nicht mein Favorit zu zelten, aber alles andere ist windexponiert. Ich setze mich abseits und koche. Noch ist aufgrund der Nähe zum Parkplatz bisschen was los. Während ich esse, bekommen auch die Gelsen ein Abendessen: mich. Eine Invasion hier. Gegen 19 Uhr halte ich die Gelsen nicht mehr aus und ich glaube es kommt auch niemand mehr, also baue ich mein Zelt auf. Mit Monviso Blick.

Der Nebel zieht herein, ich ziehe mich aus und gönne mir ein rasches Sitzbad im See.

Rein in die Schlaf/Freizeitklamotten und plötzlich beginnt es zu stürmen. Aber wie. Ich habe Sorge um mein Zelt, der Wind kommt aus der falschen Richtung. Ich schiebe, ziehe, zerre, verkeile,…und versuche es besser auszurichten. Ob ich jetzt noch eine gerade Fläche zum Liegen habe ist mir egal, hauptsache es bleibt stehen. Ich weiß nicht warum ich es freistehend aufgebaut habe, wahrscheinlich haben mir die vielen Steine im Aufstieg und hier herumliegend suggeriert, dass Heringe nicht in den Boden gehen. Tun sie aber, also spanne ich mein Zelt mit ihnen ab und baue die freistehende Konstruktion wieder ab. So fühle ich mich ein wenig sicherer. Sicher gut 15 Minuten bange ich und hoffe, dass sich der Wind legt. Das macht er dann zum Glück auch wieder und ich kann die Wolkenspiele wieder genießen, bevor ich vor den Gelsen kurz vor Sonnenuntergang ins Zelt flüchte.

Als es dunkel ist, beginnt der Wind wieder, gleichzeitig mit Donner und Blitz. Ich konnte das Wetter zuletzt heute Früh checken, da war von Gewitter in der Nacht keine Spur. Ich hoffe es bleibt östlich von mir und kommt nicht näher.
79. Tag 31,6km 1347hm 8:15hm
Überraschend ruhig habe ich den Donner und das erleuchten meines Zeltes beobachtet. Wie erwartet und gehofft ist es nicht näher gekommen, somit habe ich danach ganz gut geschlafen. Widererwartend ist das Zelt so gut wie trocken, der Monviso von der aufgehenden Sonne beleuchtet macht noch einmal ein wunderschönes Bild.

Herrlicher Platz. Aber bereits vor 7 sind die ersten Wanderer unterwegs und ich ebenso. Adios schönes Plätzchen.

Grund zum Schmollen gibt es aber keinen, denn es geht mindestens genauso sagenhaft weiter. Je näher ich dem Klotz an Gestein, alias Monviso komme, desto mehr strahle ich. Es ist aber, wie bei den 3 Zinnen auch schon, die gesamte Umgebung die es für mich so speziell und so wunderschön macht. Ich drehe mich mehrfach im Kreis, ich mache alle 100Meter Fotos, … ich bin einfach nur begeistert und auch dankbar für das geniale Wetter.




Kurz vor dem 1.Pass geht’s über Blockwerk und Geröll dahin, Felsen wohin man schaut. Gut markiert, aber dennoch Augen auf heißt es.


Kurz nach dem Pass auf 2650hm, steht das Refugio Quintino Sella. Die Übernachtungsgäste sind in Aufbruchstimmung, ich kehre ein und kaufe mir, jup richtig, Kaffee und Kuchen. Wissend, dass mein aktuelles Frühstücksmüsli nicht lange anhält, habe ich sogar einen guten Grund.

Weiter geht es auf einem sehr einfachen, schönen geschlängelten Weg. Ich wähle einen direkteren Weg zum 2.Pass und verrenke mir den Kopf weil die steil aufragenden Wände und die Südostseite des Monviso so nahe sind. Ich bin im 7.Himmel, was für eine Landschaft.






Vom 2.Pass geht es unmerklich zum 3.Pass.


Steine, Steine, Steine, jetzt auch wieder am Weg, das macht Spaß.


Gut zu erkennen sind die vom Wind in das Massiv gefrästen Erosionen die aus einer durchgängigen Felswand, einzelstehende Felsbrocken machen.

Schutt ist das, was noch übrig bleibt. Faszinierend. Schweren Herzen nehme ich Abschied von hier heroben und steige ab. Schöne Ausblicke, schöner lichter Wald, schöner Fluss ( andere Route als der GTA genommen).


Was für ein toller Tag. Jetzt ein kühles Blubbergetränk, Unterkunft für heute checken, weitergehen, Proviant einkaufen und Bett beziehen. So mein Plan, aber nichts von dem geht auf. Ungeschont muss ich lernen, dass der 15.8. mit dem Fenstertag und dem Feiertag an sich noch nicht vorbei ist, sondern, dass die ganze Woche alles Kopf steht. Alles ausgebucht. Ich telefoniere alles rauf und runter was geht, bekomme überall ein mittleidiges „tut mir leid, nein“ zu hören, tlw Privatnummern angesagt um es dort zu versuchen,… . Am Ende werde ich noch weiter als ich gehen wollte fündig. Hatte ich schon so 3 Rother Etappen heute vor, würde es jetzt noch länger werden, das geht sich kaum aus, aber zelten mag ich heute nicht mehr. Also muss ich über die Straße überbrücken, und einen Pass auslassen. Das muss ich erstmal sacken lassen. Zum Glück habe ich schon auf den letzten HM begonnen zu telefonieren, im Dorf am Stausee habe ich nämlich keinen Empfang mehr.

Das heißersehnte Blubbergetränk in Ruhe sitzend zu trinken wird auch nichts, das einzige Restaurant ist voll, ich kann in einer Stunde wieder kommen, also trinke ich das Cola in einem Satz an der Bar leer und suche mir einen schattigen Platz um mein Essen zu essen. Ich merke wie dünn meine Haut ist und wie schnell mich das Thema ausgebuchte Unterkünfte stresst. Für morgen ist auch alles voll auf meiner nächsten Etappe, aber zuerst muss ich die heutige mal beenden, darum kümmere ich mich später. Also rauf auf die zum Glück kaum befahrene Straße und abspulen. Es hat über 30 Grad, ich habe so was von keine Lust. Im Chiesa stoße ich dann wieder auf die GTA und der angebliche Laden mit Lebensmitteln existiert nicht mehr. Na toll. Wie schön kann ein Tag starten, wie ***** kann er werden. Jedes Dorf sieht verlassen und überwiegend verfallen, bzw einfach wortwörtlich steinalt aus. Die Zeitreise nimmt kein Ende und auch nicht, dass mich diese Dörfer verwundern. Ein Dorf, Pleyne, soll noch kommen in dem es ein Alimentario geben soll, aber je näher ich komme umso sicherer bin ich mir, dass es hier auch keines mehr gibt.

Das Dorf wirkt noch verlassener. Ein Schild behauptet etwas anderes, eine Frau verweist auf die Klingel an einem Privathaus und just geht eine Tür zum Paradis auf. Instant Polenta, Toast, GemüseThunfischDose, Käse, Kekse, 1 1/2 Liter süße Flüssigkeit, auf 15 Quadratmeter… Herz was willst du mehr. Flüssigkeit und halbe Kekspackung wandert zur Motivation direkt in den Bauch und ich quäle mich die letzten KM zur Unterkunft.
Zuckerbrot und Peitsche, das ist die Beste Beschreibung für die GTA. Die schönen Ausblicke müssen hart erarbeitet werden.
Das Abendessen ist so wenig, dass ich mir noch eine Rittersport kaufe (Chips und Rittersport gibt es seit den Dolomiten fast überall zu kaufen) um einigermaßen satt zu sein.
Bei der Unterkunft gibt es nur an wenigen Stellen Empfang, ich lasse von zu Hause aus das Wetter checken weil ich morgen 2 Etappen über 2 Pässe möchte/muss und kläre mit meinem Emfpangskomitee meine geplante Ankunft in Nizza ab. Die Tage sind gezählt, 6 Wandertage noch wenn alles gut geht. Ich kann es selbst noch nicht glauben.